CDU-Kandidat Hagel: Längere Arbeit, spätere Rente und Steuer-Debatte

Manuel Hagel, CDU-Spitzenmann in Baden-Württemberg, spricht sich für ein späteres Renteneintrittsalter, mehr Arbeitsstunden und vergünstigte Überstunden aus. In Bezug auf Steuerpolitik und Wirtschaftsförderung verfolgt er einen regionaleren Ansatz.

heute 06:33 Uhr | 4 mal gelesen

Irgendwann, so scheint es zumindest, werden wir es wohl akzeptieren müssen: Das Arbeiten jenseits der 67 – Perspektive Richtung 70. Zumindest, wenn es nach CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel geht. Der Mann plädiert für ein Rentenkonzept, das sich an steigender Lebenserwartung orientiert. Es klingt auf den ersten Blick logisch, hinterlässt gleichzeitig einen schalen Geschmack. Wer will schon sein halbes Leben malochen? Interessant – und, ehrlich gesagt, ziemlich provokant – ist Hagels Vergleich: Die Deutschen arbeiten nach seinen Worten 200 Stunden weniger als die Leute in der Schweiz. Mehr Anreize für Überstunden und eine Steuer- sowie Sozialabgabenfreiheit für ebendiese ist sein Vorschlag. Klingt verlockend, hat aber sicherlich auch seine Haken. Was die steuerpolitische Seite angeht, stichelt Hagel geschickt gegen den SPD-Kurs, vor allem gegen deren Vorstoß zur höheren Erbschaftssteuer. Für Baden-Württemberg sieht er in der Regionalisierung der Erbschaftssteuer eine Chance: Jedes Bundesland soll mitreden können, wie hoch die Steuer ausfällt. Hier wird nicht nur für Mittelständler getrommelt, sondern auch ganz ungeniert für mehr Föderalismus. Im Kontext der aktuellen Wirtschaftslage malt Hagel ein ziemlich düsteres Bild: Er sieht Deutschlands Industrie im Würgegriff einer schleichenden Deindustrialisierung. Dass Deutschland „das Detroit Europas“ werden könnte – dieser Vergleich sitzt. Chinesische Konkurrenz, Kampfpreise, Zoll-Überlegungen – die politischen Mittel für Hagel klar: europaweit gegensteuern.

Manuel Hagel fordert angesichts der demografischen Herausforderungen eine spätere Rente und mehr Arbeit, betont dabei die Notwendigkeit steuerlicher Erleichterungen für Überstunden. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft sieht er akut bedroht, daher schlägt er regionale Steuerlösungen und europäische Zölle vor, um Mittelstand und Industrie zu schützen. In aktuellen Berichten anderer Medien wird die Diskussion um das Rentenalter kontrovers betrachtet: Viele Experten geben zu bedenken, dass körperlich arbeitende Menschen sowie ältere Beschäftigte in Pflege oder Industrie einen späteren Rentenstart nur schwer verkraften könnten; gleichzeitig gewinnt die Debatte angesichts des Arbeitskräftemangels politisch an Fahrt, und die Differenz zwischen privilegierten und belasteten Branchen wächst (siehe dazu aktuelle Kommentare in Wirtschaft und Sozialpolitik, Stand Juni 2024). Über verschiedene politische Lager hinweg werden Forderungen laut, das Rentensystem grundlegend zu überarbeiten, wobei es aber an konsensfähigen Konzepten bislang mangelt.

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