CDU und SPD fordern strengere Vorgaben für digitale Krankschreibungen

Angesichts zunehmender Online-Krankschreibungen gegen Entgelt sprechen sich führende Gesundheitspolitiker von CDU und SPD für schärfere Regelungen aus. Besonders kommerzielle Anbieter stehen im Fokus der Kritik, da sie das klassische Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aushöhlen.

heute 11:36 Uhr | 3 mal gelesen

Inmitten der Debatte über digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mahnen sowohl Unions- als auch SPD-Gesundheitspolitiker mehr Vorsicht an. Simone Borchardt (CDU) betont, dass Krankschreibungen per Telefon oder Video lediglich dann gerechtfertigt seien, wenn es sich um Bestandspatienten handele – also Personen, die dem Arzt bereits bekannt sind. Das, so meint sie, könnte den aktuell wachsenden Missbrauch bremsen. Christos Pantazis (SPD) geht noch einen Schritt weiter und kritisiert insbesondere private Online-Dienste, die Krankschreibungen ohne tiefgehende ärztliche Prüfung oder echtes Arzt-Patienten-Verhältnis ausstellen. Er hält solche Praktiken für schädlich: Sie nagen am Vertrauen in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und schaden der Versorgungsqualität. Gegen solche Anbieter müsse entsprechend hart durchgegriffen werden. Gleichzeitig verteidigt Pantazis die Möglichkeit, in begründeten Fällen per Telefon oder qualifizierter Videosprechstunde eine Krankschreibung zu erhalten – sofern sie ärztlich verantwortet wird. Auch der Hausärzteverband legt der Politik nahe, den Online-Boom von kommerziellen Anbietern zu begrenzen. "Wir brauchen eine Grundlage, die den Missbrauch eindämmt, ohne Patienten mit echtem Bedarf Steine in den Weg zu legen", bringt es ein Hausarzt schulterzuckend auf den Punkt. Kurzum: Es menschelt in der Politik, und die Sorge vor einer "Krankschreib-Fabrik" ist groß, auch wenn digitale Medizin sonst durchaus Chancen birgt.

Sowohl CDU als auch SPD sehen dringenden Handlungsbedarf bei Online-Krankschreibungen und sprechen sich für klarere Regeln aus, um Missbrauch vor allem durch anonyme Anbieter zu stoppen. Während Krankschreibungen bei bekannten Patienten per Telefon oder Video weiterhin möglich bleiben sollen, fordern beide Parteien, dass Werkzeuge gegen Kommerzialisierung und "Krankschreibungen auf Klick" gestärkt werden. Der Hausärzteverband sowie der ehemalige Gesundheitsminister Lauterbach unterstützen diese Richtung. Zusätzliche Informationen aus aktuellen Quellen verdeutlichen: Die Gematik meldet, dass die elektronische Krankschreibung seit ihrer Einführung weiter ausgebaut wird; gleichzeitig wächst die Kritik an undurchsichtigen Geschäftsmodellen in der Telemedizin (u. a. durch Anbieter aus dem Ausland). Auch Berichte zeigen, dass Arbeitgeber vermehrt nach Kontrollinstrumenten fragen und Krankenversicherer einen moderaten Anstieg digitaler AU-Bescheinigungen beobachten. Ferner wird diskutiert, inwieweit datenschutzrechtliche Bedenken und die technisch uneinheitliche Umsetzung echten Mehrwert bieten oder eher bürokratische Hürden schaffen.

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