China-Alarm aus berufenem Munde: Ex-Diplomat Kovrig malt düsteres Bild

Michael Kovrig, ehemaliger Diplomat und ausgewiesener China-Kenner, sieht im aggressiven Exportkurs Pekings eine Bedrohung für Deutschlands industrielle Basis.

27.12.25 10:07 Uhr | 125 mal gelesen

Im Interview mit dem 'Handelsblatt' drängt Kovrig auf schnelle und handfeste Schutzmaßnahmen für die Industrie in Deutschland. Während andere Länder auf Felder wie Tourismus setzen, bleibt für Deutschland die Industrie Dreh- und Angelpunkt – so Kovrig. Persönlich weiß er, wovon er spricht: Fast drei Jahre verbrachte er in chinesischer Haft – ein perfider Zug, um politisches Druckmittel zu erzeugen. Momentan debattieren die EU-Länder über Strafzölle als Reaktion auf das Überangebot günstiger chinesischer Produkte. Einigen deutschen Unternehmen, die stark auf den chinesischen Absatzmarkt schielen, ist diese Konfrontation allerdings nicht geheuer – aus Angst, selbst Ziel chinesischer Nadelstiche zu werden. Kovrig sagt dazu recht unverblümt: Die chinesische Staatspartei hat die Wirtschaft teils auf ihre Seite gezogen. Deshalb müsse Berlin nun mutig bewerten, welche Abhängigkeiten sich noch lösen lassen und wann der Kipppunkt erreicht ist – also der Moment, an dem deutsche Firmen längst zum Teil des chinesischen Systems geworden sind. Was Kovrig herausstreicht: Chinas Aufstieg stellt Europa vor eine größere Herausforderung als Trumps US-Politik oder Russlands Aggression – denn China sei nicht nur ein Sturm, sondern ein geradezu epischer Klimawandel. Für Berlin heißt das: Augen auf, Kursänderung jetzt.

Michael Kovrig, selbst Ex-Diplomat mit bitteren Erfahrungen in chinesischer Haft, warnt scharf vor Chinas ökonomischem Kurs: Deutschlands Wirtschaft stehe auf dem Spiel, weil China den Weltmarkt mit günstigen Waren überschwemmt. Die aktuellen Diskussionen in der EU um Strafzölle spalten deutsche Unternehmen – die einen befürchten, ihren Zugang nach China zu verlieren, die anderen sehen nationale Interessen bedroht. Auffällig ist Kovrigs Metapher: Er vergleicht die Herausforderung durch China mit Klimawandel – nicht mit vorübergehenden Krisen. Aus Recherchen auf taz.de, dw.com und weiteren aktuellen Berichten geht zudem hervor: Auch die Bundesregierung erwägt laut FAZ staatliche Hilfen und strategische Investitionen, um den Industriestandort zu erhalten, während die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass China seinerseits gezielte Gegenmaßnahmen plant – ein knallharter Wirtschaftskonflikt deutet sich an. Neu hinzugekommen ist, dass auch in Brüssel Diskussionen über eine Vereinheitlichung der EU-Strategie hochkochen, da Uneinigkeit zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten das europäische Vorgehen erschwert. Experten sehen neben kurzfristigen Herausforderungen vor allem struktureller Art wachsende Problemfelder – etwa beim Zugang zu kritischer Infrastruktur und Technologie.

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