Mit fast schon stoischem Nachdruck erinnerte Wang Yi bei seinem Auftritt in München daran, dass sich die Menschheit an einem Wendepunkt befindet. Die Zukunft, so sagte er, stehe auf dem Spiel: Geht es weiter Richtung multipolare Zusammenarbeit oder zurück zu einer Welt, in der jeder für sich kämpft? China selbst habe einen Vorstoß gewagt und neuerdings eine internationale Initiative auf den Tisch gelegt, um globale Gerechtigkeit zu fördern. Keine Organisation sei perfekt, räumte er offen ein – aber die UN seien noch immer unser bestes Mittel, um Kriege zu verhindern und zumindest ein Mindestmaß an Verständigung zu sichern. Ohne sie, so Wang, würden die Stärksten wieder das Sagen haben, und Chaos wäre die Folge. Gerade deshalb plädierte er für mehr Vertrauen, über Grenzen hinweg. Besonders augenfällig: Dieser Appell wirkte wie ein stilles Gegenprogramm zu den US-Tönen. Marco Rubio hatte zuvor an gleicher Stelle die Vereinten Nationen ins Abseits gestellt und von erdrückenden Reformen gesprochen. Wang ignorierte die direkten Sticheleien zwar höflich, bestand aber darauf: Unterschiede – ziemlich sicher war damit auch das transatlantische Misstrauen gemeint – müssen im Dialog und mit Ausdauer überwunden werden. Vor allem, so seine Hoffnung, sollten Europa und China gemeinsam an einer friedlicheren, vielfältigen Weltordnung arbeiten. Abschließend warnte Wang, dass eine Spaltung der Welt niemandem nützt. Schon eigenartig oder sogar bezeichnend, dass gerade in München die scheinbaren Feinde plötzlich zum Nachdenken auffordern.
Wang Yi appelliert auf der Münchner Sicherheitskonferenz für eine Stärkung der Vereinten Nationen und stellt sich damit klar gegen die scharfe Kritik seines US-Kollegen Marco Rubio. Wang warnt vor einem Rückfall ins Recht des Stärkeren und setzt auf Dialog sowie internationale Kooperation – trotz bekannter Schwächen der UN. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass China seine diplomatische Rolle auf globalem Parkett weiter stärken will, während die US-Position zunehmend auf die Notwendigkeit umfassender Reformen pocht. Zusätzlich zu den bisherigen Positionen werden seitens diplomatischer Beobachter zunehmend Parallelen zur aktuellen Lage in anderen internationalen Krisen gezogen – etwa zur Frage globaler Machtblöcke im Nahen Osten oder zur Rolle der UN bei Vermittlungsversuchen im Ukraine-Krieg. Auch die Debatte um eine multipolare Weltordnung und die Gefahr neuer geopolitischer Teilungen (beispielsweise zwischen dem Westen und sogenannten Schwellenländern) nimmt weiter Fahrt auf. Europäische Stimmen betonen die Bedeutung der UN zwar ebenfalls, zeigen sich aber verunsichert, wie reformfähig das System tatsächlich noch ist.