Samstagnachmittag, eine dieser präsidial inszenierten Reden hallt noch durch die Säle der Münchner Sicherheitskonferenz – und Alexander Dobrindt ringt sich zu vorsichtig optimistischen Tönen durch. Gegenüber ntv betont er, dass die USA offensichtlich ein echtes Interesse an einer stabilen und starken Weiterentwicklung Europas zeigten. Interessant: Dobrindt hebt hervor, dass sich der Ton im Vergleich zum vergangenen Jahr spürbar gebessert habe. Und dann dieser ehrliche Einschub – irgendwie auch typisch Dobrindt: Die Schwierigkeiten seien längst nicht überwunden, die transatlantische Partnerschaft stecke trotz beschwingter Töne immer noch in einer schwierigen Phase.
Und dann ist da noch die versteckte Botschaft in Rubios Worten – Kritik an der bisherigen Kooperation, Unzufriedenheit, und gleichzeitig ein unmissverständlicher Hinweis: Falls die Partnerschaft nicht wunschgemäß läuft, ist Washington bereit, eigene Wege zu gehen. Ein Satz, wie ein freundliches Lächeln mit gezogenem Degen.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, will sich ohnehin nicht so recht von amerikanischer Rhetorik einlullen lassen. Für sie klang Rubios Rede eher wie eine geschickte, aber gefährliche Liebeserklärung – eine, bei der im subtextlichen Flirt stets die Drohung mitschwingt. Laut Strack-Zimmermann war die scheinbare Harmonie der Ovationen ein Trugbild: Der Ton mag gemäßigter sein als 2023, der Inhalt bleibe brandgefährlich – Stichwort: MAGA-Bewegung, die einen Rückzug aus der wertebasierten Weltordnung propagiere. Ein bisschen wie ein Kartenhaus: Von außen hübsch, darunter wackelig wie eh und je.
Die Diskussion um die Rede Marco Rubios auf der Sicherheitskonferenz ist vielschichtig: Einerseits sorgt seine relativ gemäßigte Rhetorik nach Jahren der Irritation für vorsichtige Heiterkeit bei manchen Europäern – Dobrindt etwa sieht in ihr einen neuen Ton und die Bekräftigung, dass Amerika ein echtes Interesse an Europa habe. Gleichzeitig warnen Stimmen wie Strack-Zimmermann deutlich vor einer vorschnellen Euphorie, da die USA weiterhin bereit seien, auf Distanz zu gehen, falls Europa nicht mitspielt. Hinzu kommt: Die aktuellen geopolitischen Spannungen – insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und das Säbelrasseln Chinas im Indopazifik – verschärfen die Abhängigkeit Europas von amerikanischer Unterstützung, was die Komplexität der transatlantischen Beziehungen weiter erhöht. In anderen Medien wird zurzeit stark diskutiert, wie sich die amerikanische Innenpolitik, gerade im Wahljahr, auf diese Partnerschaft auswirkt und ob Europa die neue US-Strategie womöglich missinterpretiert.