Eigentlich ein seltsames Gefühl: Die Vorstellung, dass unser Gesundheitssystem im Falle eines Krieges funktionieren muss, ist weitab von gewohntem Alltag. Doch Nina Warken äußerte jüngst gegenüber der „Welt am Sonntag“, das Land sei dafür schlicht nicht ausreichend gerüstet. Dabei gehe es um weit mehr als das übliche Management für den Ernstfall – es geht um die Garantie, dass nicht nur Bürger versorgt werden, sondern auch verwundete Soldaten, ob von der Bundeswehr oder aus NATO-Staaten. Dazu will Warken im Sommer ein Gesetz anstoßen, das endlich klare Zuständigkeiten, saubere Kommunikation, genug Kapazitäten und sinnvolle Vorratshaltung von Medikamenten und Materialien sichern soll. Besonders knifflig: Noch steht nicht eindeutig fest, welches Ministerium das Heft in die Hand nehmen soll. Verteidigung, Gesundheit, Inneres – sie schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Die Ministerin betont: Es braucht keine doppelten Strukturen, aber deutlich mehr Personal, Geld und vor allem einen besseren Überblick: Wo sind freie Betten? Wer kann schwere Kriegsverletzungen wie Splitterwunden wirklich behandeln? Wieviele Helfende haben Kenntnisse über Kriegsszenarien? Vieles davon boomt bislang im Nebel. Interessant und brisant: Gerade im ländlichen Raum, wo Kliniken schließen, muss laut Warken bei der Krankenhausreform mitgedacht werden, welche Kapazitäten im Notfall überall schnell verfügbar wären.
Nina Warken (CDU) will das Gesundheitswesen fit für Krieg oder kriegsähnliche Krisen machen. Obwohl das Gesundheitssystem in Deutschland zu den modernsten in Europa zählt, mangelt es laut Warken immer noch an klaren Verantwortlichkeiten, verlässlichem Informationsfluss und dem nötigen medizinischen Know-how für Extremsituationen (z.B. Kriegsverletzungen). Recherchen ergeben: In der Breite fehlen Notfallkonzepte – etwa zur zentralen Erfassung von Fachwissen oder verfügbaren Krankenhausbetten. Die geplante Schließung kleiner Kliniken im Zuge der Krankenhausreform stößt auf Kritik, da gerade dort im Ernstfall Versorgungslücken entstehen könnten. Experten wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordern einen Ausbau der Krisenresilienz, vor allem bei Logistik und Bevorratung von Medikamenten, da Lieferketten im Konfliktfall schnell reißen können. Aufgrund der geopolitischen Lage – Ukrainekrieg, NATO-Partnerschaften, Cyberattacken – wächst auch politisch der Druck, kritische Infrastrukturen „krisenfest“ zu gestalten.