Claren: Westliche Politik blendet Leid der Iraner aus

Die Menschenrechtsaktivistin Mariam Claren zeigt sich von Deutschland, Europa und den USA angesichts der tödlichen Repressionen im Iran zutiefst enttäuscht. Die wenigen Nachrichten, die Iran verlassen, lassen das Ausmaß der Gewalt nur erahnen – und Claren ist überzeugt, dass der Westen am Leid der iranischen Bevölkerung vorbeisieht.

heute 13:59 Uhr | 2 mal gelesen

„Immer wieder erreichen mich diese Stimmen aus dem Iran. Und sie alle sagen im Grunde nur: Ihr habt keine Ahnung, wie schlimm es wirklich ist“, schildert Mariam Claren, Tochter der deutsch-iranischen Architektin Nahid Taghavi, die das berüchtigte Evin-Gefängnis vier Jahre lang nicht verlassen durfte. Was Claren zuletzt erfährt, klingt nach Krieg: Soldaten auf den Straßen, Schüsse am Hauseingang, Menschen, die verschwinden oder gleich an der Haustür erschossen werden. Einer erzählt, er habe skrupellose Verhaftungen und sogar Erschießungen direkt vor seiner Haustür miterlebt. Viele Einwohner wagten sich kaum noch hinaus – nicht einmal für den nötigsten Einkauf, denn selbst das könne tödlich enden. Claren erhebt schwere Vorwürfe. Während im Iran ein Klima purer Angst herrsche, halte sich der Westen auffällig bedeckt. Sie kritisiert, wie US-Präsident Trump vor versammelter Weltöffentlichkeit Sätze wie „Help is on the way“ sagt, die mehr Hoffnung versprechen, als politisch getragen ist. Auch Aussagen von Bundeskanzler Merz, dass das Regime bald am Ende sei, hält sie für leere Wortblasen. Warum sich Italien, Frankreich und Spanien gegen die Einstufung der Revolutionsgarde als Terrororganisation wehrten, versteht sie ebenso wenig – für Claren ein Armutszeugnis internationaler Politik. Die Präsenz von US-Kriegsschiffen wiederum löse bei den Menschen in Iran eher Panik als Zuversicht aus. „Ganz ehrlich: Wer von diesen Staatsmännern hat sich wirklich gefragt, wie sich dieses Hickhack für die Leute im Iran anfühlt?“, fragt Claren ernüchtert. Sie bleibt skeptisch: Welche Interessen am Ende siegen, weiß man nicht. Doch so viel steht für sie fest: „Niemand kämpft für die Freiheit oder das Wohl der Iraner – es geht nur um Macht.“

Mariam Clarens Aussagen bringen die Frustration vieler Iraner und Exil-Iraner auf den Punkt: Während das Regime mit brutaler Härte gegen Zivilisten vorgeht, bleibt die internationale Gemeinschaft weitgehend passiv. Besonders die mangelnde Bereitschaft westlicher Staaten, die Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen, sorgt für Unverständnis und Wut. Die psychische Belastung für die im Iran lebenden Menschen – zwischen militarisierten Straßen, willkürlichen Festnahmen und der Angst vor Eskalation durch ausländische Militärpräsenz – wächst von Tag zu Tag. Erweiterte Recherche zeigt, dass dieser Eindruck international geteilt wird: Deutsche Medien wie die Süddeutsche und die ZEIT berichten von schockierenden Menschenrechtsverletzungen und politischer Untätigkeit des Westens. Nach Informationen aus aktuellen taz- und FAZ-Artikeln gehen die Proteste weiter, aber das Regime antwortet mit noch größerer Härte und Zensur. Laut Deutschen Welle heizen geopolitische Spannungen und rivalisierende Interessen die Situation zusätzlich an, wobei das Schicksal der iranischen Zivilgesellschaft zwischen allen Fronten zu verschwinden droht.

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