DGB schießt scharf gegen Pläne zu lohnfreiem Karenztag: 'Völlig daneben'

Mit scharfen Worten hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf die Forderung von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger reagiert, den sogenannten Karenztag einzuführen, bei dem Beschäftigte für den ersten Tag einer Krankmeldung keinen Lohn erhalten würden. Das Signal an die Mitarbeitenden sei verheerend, so DGB-Vorständin Anja Piel gegenüber T-Online: Es schüre Misstrauen und werfe einen Generalverdacht auf die komplette Arbeitnehmerschaft.

heute 15:47 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich klingt die Idee, am ersten Krankheitstag einfach kein Geld zu bekommen, zunächst logisch – zumindest aus der Sparbrille mancher Arbeitgeber. Aber für Anja Piel ist die Sache klar: 'Wenn wir schon anfangen, Menschen mit Grippe oder Bandscheibenvorfall aus Angst vor finanziellen Einbußen in die Firma zu scheuchen – ja, wohin soll das führen?' Die DGB-Vorständin rechnet vor: Ein einziger lohnloser Tag kann im Schnitt rund fünf Prozent des Monatsbruttos ausmachen – ein Batzen, insbesondere für Geringverdienende. 'Krank ist krank. Sonst müssten wir in Zukunft alle im Büro oder in der Fabrik husten, fiebern oder humpeln – das kann niemand ernsthaft wollen.' Stattdessen, so Piel, brauche es beherzten Arbeits- und Gesundheitsschutz, damit weniger Menschen überhaupt krank werden. Und mal ehrlich: Wer glaubt denn wirklich, dass ausgerechnet finanzielle Angst Leute gesünder macht? Ein bisschen Menschenkenntnis und Vertrauen in die Belegschaft würde vermutlich weiterhelfen.

Die Debatte rund um den Karenztag spaltet – Arbeitgebervertreter hoffen auf weniger Krankmeldungen, Gewerkschaften warnen vor Vertrauensverlust und gesundheitlichen Risiken. Studien aus Ländern mit Karenztagen zeigen: Viele Arbeitnehmer gehen trotz Krankheit aus Angst vor Geldeinbußen zur Arbeit, was die Ansteckungsgefahr und Produktivitätsverluste erhöht. Jüngste Berichte etwa von der Süddeutschen Zeitung und der FAZ betonen, dass Prävention und ein besserer betrieblichen Gesundheitsschutz langfristig wichtiger sind als Maßnahmen, die vor allem auf Misstrauen aufbauen.

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