Man staunt ja immer wieder, wie rasant sich die Lebenswelt wandelt – und auch ältere Semester bleiben nicht außen vor: Immer mehr Seniorinnen und Senioren klicken, chatten und kaufen sich durchs digitale Leben. Männer vorneweg mit 78 Prozent, während Frauen ab 65 Jahren etwas zurückliegen (70 Prozent). Auffällig, aber vermutlich wenig überraschend: Je älter, desto seltener online. Die ganz Jungen unter den Alten (65-69 Jahre) sind fast ausnahmslos digital (98 Prozent), doch bei den 70-74-Jährigen sinkt die Quote auf 85 Prozent, zwischen 75 und 79 Jahren sind es noch 64 Prozent, und ab 80 argert sich weniger als die Hälfte mit dem Internet herum – oder freut sich daran, je nach Perspektive.
Interessant finde ich: Drei Viertel der älteren Online-Nutzer mögen sich ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen. Freizeit, Info, Kontakt – das Netz hält jung, sagen viele; 78 Prozent geben an, digital geistig fit zu bleiben, 72 Prozent loben den besseren Kontakt zu Freunden und Verwandten. Generell: Die Generation 65+ sieht Digitalisierung optimistisch, 81 Prozent nennen das Ganze eine Chance (und nur 17 Prozent eine Gefahr). Fast schon ungeduldig: 66 Prozent der Älteren hätten gern mehr Tempo beim digitalen Wandel, gleichwohl fordern 80 Prozent, dass die Politik ihre Altersgruppe dabei stärker einbezieht.
Was machen die älteren User also konkret? Kommunikation dominiert: Mails (92 Prozent), Nachrichten (88 Prozent), soziale Netzwerke (60 Prozent) und sogar Videoanrufe (50 Prozent) – klingt, als lerne Oma jetzt „zoom“-en. Hobbys und Nachrichten holen sich 88 beziehungsweise 81 Prozent ins Haus, Online-Banking betreiben 80 Prozent, Online-Shopping 76. Sogar Navigation und Reiseplanung (57 und 52 Prozent) sowie Fitness-Apps (47 Prozent) sind für viele längst Alltag. Bleibt rund ein Viertel (26 Prozent), das offline bleibt – oft aus Unsicherheit (47 Prozent mangelndes Know-how, 40 Prozent Sorge um Datensicherheit) oder weil einfach niemand hilft (15 Prozent). Und: Nicht alle haben den Zugang, manche keinen Bedarf, einige können oder mögen schlicht nicht mehr.
Grundlage ist übrigens eine telefonische Umfrage unter 1.004 Menschen ab 65 Jahren aus Deutschland, erhoben im Herbst 2025 – ein kleiner, aber illustrativer Ausschnitt aus einer ziemlich vielfältigen Generation.
Die digitale Kluft zwischen Jung und Alt schrumpft, aber sie bleibt bestehen: Inzwischen finden sich über 74 Prozent der Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren im deutschen Internet-Zirkus wieder – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2019. Weiterhin zeigen sich aber Unterschiede nach Alter und Geschlecht sowie bei konkreten Nutzungsarten: Die Jüngeren unter den Senioren surfen viel häufiger als die Hochbetagten. Die meisten Befragten sind der digitalen Welt gegenüber positiv eingestellt, vermissen zugleich aber politische Rücksichtnahme und spezifische Angebote für ihre Altersgruppe.
Laut einer aktuellen Recherche der taz gibt es vermehrt Initiativen, die sich gezielt an die digitale Teilhabe älterer Menschen richten, etwa durch lokale Schulungen oder seniorengerechte Geräte. Die Süddeutsche berichtet, dass Banken und Versorger zunehmend digitale Angebote entwickeln, diese aber oft zu wenig auf die Bedürfnisse, das Sicherheitsbedürfnis und die Vorkenntnisse älterer Nutzer eingehen – was Unsicherheit und Zurückhaltung befeuert. Aktuelle Analysen bei der Zeit zeigen einen Trend zu stärkerer Vernetzung in Pflegeheimen und betreuten Wohnformen: Während technische Hürden abnehmen, bleibt die Angst vor Betrug und Datenmissbrauch ein großes Thema.