Es gibt Fernsehsendungen, die rutschen an einem vorbei, wie ein knallbunter Fischschwarm, den man nur am Rande wahrnimmt. Und es gibt Formate wie „mareTV“, die bleiben – wie Salz auf der Haut nach einem langen Tag am Meer. 2001 ploppte das Format erstmals auf den Fernsehschirmen auf, seitdem nimmt 'mareTV' sich Zeit für Menschen und Lebensräume an Küsten und auf dem Ozean: Norddeutschland taucht da genauso auf wie der Pazifik oder gelegentlich eine graue Mole im Regen. Persönlich finde ich diese Herangehensweise angenehm entschleunigend. Während vieles im deutschen Fernsehen gern mit lauten Allüren punkten möchte, steckt bei 'mareTV' oft die Kraft in den Zwischentönen oder im Blick auf scheinbar Nebensächliches. Beispiel: Da wird nicht über die Schönheit von Touristenorten geschwärmt, sondern mit Fischer:innen, Inselbewohner:innen oder sogar Grenzgängern des Meeres gesprochen. Nicht selten bekommt man ein leises Unwohlsein über die Probleme zu spüren – vom Artensterben bis zur Meeresverschmutzung –, ohne dass es mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Frank Beckmann vom NDR und Karl Spurzem von der Zeitschrift „mare“ loben beide den journalistischen Anspruch und die konstruktive, fast schon zärtliche Machart der Sendung – vielleicht ein Grund für die anhaltende Begeisterung?
Etwas, das ich selten bei vergleichbaren Reportagen erlebe: 'mareTV' leistet sich Lücken, Gesten, manchmal Sätze, die nicht komplett ausformuliert wirken. Da wird eine Pause genutzt, um Meeresrauschen einzufangen, da bleibt gelegentlich eine Frage offen. Das wirkt manchmal fast altmodisch, aber wohltuend echt.
Zum Jubiläum lässt der NDR auf seinen Plattformen – ARD Mediathek, NDR Doku auf YouTube – die Höhepunkte der letzten 25 Jahre Revue passieren. Zwei frische Episoden nehmen die Zuschauenden einmal mit auf die Cayman Islands, wo nicht Steuerflucht, sondern zahme Rochen, grüne Leguane und ein charmanter Polizist das Bild bestimmen. Und auf die beinahe unberührte Elefanteninsel Koh Chang in Thailand, wo der Regenwald noch so dampft, wie es die Urlauber selten kennen. Auf weitere 25 Jahre, möchte man sagen – denn Sendungen, die mehr als bloße Kulissen liefern, sind so selten wie Sandkörner, die nach Nordwind duften.
‚mareTV‘ feiert ein Vierteljahrhundert tiefgründiger und entschleunigter Meeresgeschichten, ohne dabei die Schattenseiten unserer Ozeane zu verschweigen – Themen wie Klima, Artensterben und Lebenswirklichkeiten stehen zart, aber klar im Fokus. Besonders der journalistische Mut, nicht zu überfrachten, sondern Raum zu lassen, hebt die Sendung von vielen Formaten ab, die im deutschen Fernsehen sonst dominieren. Zum Jubiläum präsentiert der NDR Highlights aus 25 Jahren und zwei neue Folgen, die thematisch einmal mehr über den europäischen Tellerrand schauen: Die exotische Vielfalt der Cayman-Inseln wird beleuchtet, genauso wie die artenreiche Ursprünglichkeit von Koh Chang in Thailand. Ergänzende aktuelle Recherchen zeigen, dass maritime Fragen und die Auseinandersetzung mit Küstenrealitäten in der deutschsprachigen Medienlandschaft weiterhin hohe Relevanz besitzen. Laut einem Artikel in der ZEIT bleiben gerade Küsten- und Meeresreportagen wegen ihrer gesellschaftlichen Brisanz – Stichwort Klimawandel, Migration, Lebensraumverlust – gefragt und werden besonders dann geschätzt, wenn sie ruhige, vielschichtige Perspektiven anbieten. Währenddessen meldet die FAZ, dass der Trend zu entschleunigten Dokumentationen anhält und NDR sowie ARD ihre Mediatheken-Angebote in diesem Segment in den kommenden Monaten laufend ausbauen.