Im Grunde ist es ein altbekanntes Problem: Terminnotstand bei den Niedergelassenen, Frust auf Patientenseite. Die ursprüngliche Idee, Hausärzte mit einer Vermittlungsgebühr für die Organisation von Facharztterminen zu locken, sei laut Brysch am Ende zum Nachteil der gesetzlich Versicherten verkommen. Ministerin Nina Warken (CDU) solle diesem "Gebührensystem" endlich einen Riegel vorschieben, meint Brysch: "Während die Zusatzbeiträge unaufhörlich steigen, fehlt es der Politik am Durchsetzungsvermögen, die eigentlich überflüssigen Vermittlungspauschalen konsequent zu streichen." Tatsächlich verdienen Ärzte durch diese Vermittlung gut – wovon Patientinnen und Patienten aber wenig haben. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass die Wartezeit von Kassenversicherten auf einen Facharzttermin 2024 bei satten 42 Tagen lag (2019: 33 Tage). Parallel dazu schnellen die Ausgaben der Krankenkassen für offene Sprechstunden in die Höhe. Erwähnenswert dabei: Es wirkt beinahe, als schlage der Versuch, Wartezeiten mit finanziellen Anreizen zu verkürzen, ins Gegenteil um.
Im Kern prangert Brysch eine Fehlentwicklung an: Die Vergütungen haben nicht wie erhofft zur Reduzierung von Wartezeiten geführt, sondern belasten mit kostspieligen Prämien das System und die Beitragszahler zusätzlich. Fachleute aus dem Gesundheitswesen befürchten, dass finanzielle Anreize zwar ärztliche Termin-Vermittlung attraktiver machen, für die Patienten aber keinen spürbaren Vorteil bringen. Interessanterweise sind die Wartezeiten für privat Versicherte deutlich kürzer, was erneut die Diskussion um Gerechtigkeit und Versorgungslücken im Gesundheitswesen anheizt. Ergänzend zeigen aktuelle Berichte, dass immer mehr Menschen – vor allem chronisch Kranke – durch lange Wartezeiten eingeschränkt werden und dies zu Versorgungsdefiziten führen kann. Darüber hinaus diskutieren Fachkreise über alternative Lösungsansätze, beispielsweise eine Stärkung von Telemedizin oder eine terminunabhängige Grundversorgung, was bislang jedoch bei vielen Ärzten auf Skepsis stößt.