Vergleicht man Emil Steinbergers Weg mit einer wild mäandernden Flussreise, gleitet man durch viele überraschende Landschaften: Da ist der Postbeamte, der in Vorstadtstuben herumspintisiert, der Theatermann mit feinem Spott und, nicht zu vergessen, der schüchterne Filmemacher, der mit 'Die Schweizermacher' einen der unvergesslichsten Schweizer Filme hinterlässt. Steinberger verwandelte kleine Alltagsbeobachtungen in große Lacher und stand dabei immer zwischen Spott und Zärtlichkeit. Als die Berühmtheit ihn, so scheint es, fast erdrückt, zieht es ihn nach New York – einerseits zur eigenen Selbstfindung, andererseits, um mit Niccel, seiner langjährigen Freundin und schließlich Ehefrau, einen neuen Anfang zu wagen. Seine Sehnsucht nach kreativer Freiheit und das Bedürfnis, sich nicht von seinem Ruhm bestimmen zu lassen, blitzen im Film immer wieder auf. Der Film, gestaltet von Phil Meyer zusammen mit Emil und Niccel Steinberger, taucht tief ins private Archiv, fischt alte Schätze und fast vergessene Geschichten hervor: 90 Jahre Leben, Lachen, Loslassen – und immer wieder dieser Funkenschlag von Neugier, der ihn antreibt.
Trotz Kapriolen des Lebens (und das Leben ist nun mal selten einfach zu steuern), stoßen wir auf Schwermut und Zweifel. So lotet die Dokumentation auch Emils jugendliches Zögern aus, seinen Sinn nach 'mehr', als er aufbegehrte und sich aus einem Leben befreite, das anderes von ihm wollte. Was bleibt, ist ein unerschrockener Mut: Der Wechsel nach New York, die kreative Symbiose mit Niccel und das späte Rückkehren in die Heimat – nie ohne ein Augenzwinkern, nie ohne ein bisschen Schalk.
Köstlich: Man zeigt auch Originalmaterial aus dem SWR-Archiv – legendäre Sketche als Postbeamter oder Polizeiwachtmeister, die viele Menschen heute noch zitieren. Überhaupt, der SWR bleibt für Emil ein Sprungbrett und eine Bühne, auf der er zum Liebling im Südwesten wurde. Details zur Doku sowie Fotomaterial und offizielle Infos sind online verfügbar.
Emil Steinbergers Leben liest sich wie ein witziger Roman mit melancholischen Kapiteln: Nach Jahrzehnten voller Bühnenmagie, Kunststücken im Zirkus und der Leitung eines Kinos wagte Emil nicht nur den Sprung über den großen Teich, sondern auch den Bruch mit bürgerlichen Erwartungen. Als er 93 wird, zeigt eine neue Doku auf dem SWR, was ihn nie losgelassen hat: Der Wunsch nach künstlerischer Freiheit und die Fähigkeit, selbst aus Unsicherheiten eine neue Pointe zu schlagen. Seine Ehe mit Niccel, die kreative Kraft daraus und sein überraschendes Comeback in der Schweiz runden das Lebensbild ab.
AKTUALISIERT: Laut taz und ZEIT ONLINE bleibt Emil Steinberger auch im fortgeschrittenen Alter eine feste Größe der Kulturlandschaft – sein Einfluss auf den deutschsprachigen Humor ist noch immer spürbar. In aktuellen Interviews reflectiert Steinberger über Alter und Kreativität, betont wie wichtig es war, im richtigen Moment loszulassen und trotzdem Neues zu wagen. Neuere Medienberichte betonen zudem, wie sehr sein Werk jüngere Generationen inspiriert und der SWR widmet ihm, mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen, ein großes filmisches Porträt.