Energiewende in Kommunen: Viel Engagement, wenig Unterstützung – Neue Studie legt den Finger in die Wunde

Ob in kleinen Dörfern oder großen Städten: Deutschlands Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wollen durchaus beim Umbau der Energieversorgung voranpreschen – aber das dicke Ende kommt mit schwachen Stromnetzen, leeren Kassen und absurdem Verwaltungsdschungel. Zu diesem ziemlich ernüchternden Fazit gelangt eine aktuelle Umfrage von Klimaneutrales Deutschland und heimatwurzeln e.V. Fassungslos bleibt: Während in Berlin Reformen diskutiert werden, stecken Städte und Gemeinden im Umsetzungsstau fest.

29.04.26 13:22 Uhr | 14 mal gelesen

Die Befragung bei mehr als 600 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern bringt es an den Tag: Es herrscht ein breiter Wille, mit Projekten für Energiewende, klimafreundliche Wärme oder neue Mobilitätskonzepte die Zukunft vor Ort selbst in die Hand zu nehmen. Aber dann – der klassische Stolperstein: Zu schwache Verteilnetze (46 Prozent) und marode Umspannwerke (39 Prozent) blockieren den Fortschritt. Geradezu ironisch: Lediglich 3 Prozent erleben gar keine Netzprobleme. So bleiben viele Ideen, trotz lokalem Tatendrang, an fehlender Infrastruktur hängen.

"Am Ende passiert alles auf unserem Terrain – und gerade da fehlt uns die Sicherheit, dass das Nötigste überhaupt funktioniert. Tempo und Planbarkeit sind da nicht zu viel verlangt." – Tobias Averbeck, Bürgermeister von Bakum

Nervige Geldnot und komplexe Bürokratie

Ein weiteres Kapitel: Viele Kommunen sind klamm und können neue Projekte kaum aus eigenen Mitteln stemmen. Satte 73 Prozent berichten von ziemlich engen Haushaltsbudgets. Was tatsächlich helfen könnte? Ganze 63 Prozent fordern Pauschalförderungen und unkomplizierte Zuschüsse, statt sich in langwierigen Anträgen zu verlieren. Hinzu kommt: Der Umgang mit Förderregelungen ist so haarig, dass fast 40 Prozent der BürgermeisterInnen von wichtigen Zahlungen (z.B. nach §6 EEG 2023) noch nie gehört haben.

Frust über Bundespolitik: Kommunikation als Akzeptanz-Killer

Jahrelanges Kopfzerbrechen bereitet auch der Draht von Berlin in die Städte. Die Kommunikation der Bundesregierung schadet eher, als dass sie hilft – das meinen jedenfalls gut zwei Drittel der Bürgermeister. Sie fühlen sich in praktisch allen Alltagsaufgaben – von Strom bis Wärmenetze oder Mobilität – ziemlich hängen gelassen.

"Mit klaren, langfristigen Ansagen statt kleinteiligem Zickzack könnte Berlin den Leuten wirklich Mut machen – so bleibt vieles im Nebel." – Dr. Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch

Nach wie vor kommt die Akzeptanz für Energiewende und neue Anlagen dort am besten an, wo BürgerInnen wirklich profitieren: Zwei Drittel plädieren für günstige Energiepreise, mehr als die Hälfte sieht in finanzieller Beteiligung der Menschen vor Ort den Schlüssel.

Fazit: Zukunft entscheidet sich lokal

Städtische und ländliche Kommunen sind Dreh- und Angelpunkte der Klimatransformation. Damit das Rad nicht an Planungschaos, Bürohürden und Investitionsmangel stehen bleibt, braucht es echte Entlastung: Mehr Netz, schlanke Förderwege und gemeinsame Infrastrukturplanung. Letztlich ist günstige Energie nicht nur ein Akt der Klimafreundlichkeit, sondern auch dringend nötig, damit die deutsche Wirtschaft aufatmen kann.

Hintergrund: Die Umfrage wurde im ersten Quartal 2026 online und zufällig unter Deutschlands Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern durchgeführt – 609 Städte und Gemeinden, knapp 10 Prozent aller Haushalte im Land, haben teilgenommen.

Über den Verein heimatwurzeln e.V.

heimatwurzeln e.V. setzt sich engagiert als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn für Klimaschutzprojekte aus der Mitte der Gesellschaft ein und fördert das bürgerliche Engagement.

Über die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND)

Die IKND, ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in München, agiert als parteiunabhängige Kommunikations- und Debattenplattform rund um Klimaschutz und Energiethemen.

Pressekontakt:
Julian Franz
Pressesprecher, heimatwurzeln e.V.
E-Mail: presse@heimatwurzeln.de
Telefon: 0228 50431981

Originaltext: heimatwurzeln e. V. über news aktuell

http://ots.de/5f99a5

Die aktuelle Befragung zeigt mit erschreckender Klarheit, wie sehr der kommunale Gestaltungswille in Sachen Energiewende an Infrastrukturgrenzen, verkorkster Verwaltung und Finanzierungsproblemen zerschellt. Große Reformpakete auf Bundesebene verhallen, wenn vor Ort Praktikabilität, Transparenz und Förderung ausbleiben. Neuere Entwicklungen und aktuelle Medienberichte unterstreichen die Dringlichkeit: So diskutiert beispielsweise die Bundesregierung über schnellere Planungsverfahren und die Beschleunigung des Stromnetzausbaus, u.a. durch die jüngste Novellierung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes. Zusätzlich wird deutschlandweit intensiv über verstärkte Bürgerbeteiligung, vereinfachten Zugang zu Fördermitteln und steuerliche Anreize für lokale Projekte debattiert. Ein Aspekt, der in den aktuellen Debatten auffällt: Immer mehr Kommunen formieren sich in Netzwerken, um gemeinsam kommunale Wärmestrategien und neue Partizipationsmodelle zu entwickeln. Die Problematik ist dabei keineswegs auf kleine Kommunen beschränkt – auch Großstädte melden Überlastung der Kapazitäten und verschleppte Entscheidungswege. Es wird deutlich: Ohne substanzielle Vereinfachungen, stabile Fördermechanismen und koordinierte Kommunikation zwischen Bund, Ländern und Kommunen wird die lokale Umsetzung der Energiewende ins Stocken geraten.

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