Man muss es fast schon betonen: In Fällen wie dem von Jeffrey Epstein, dessen Aktivitäten offenbar längst nicht an nationalen Grenzen haltmachen, erscheint es überfällig, auf europäischer Ebene hinzusehen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Chefin des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung, pocht darauf, dass gerade bei grenzüberschreitender Kriminalität nur ein gemeinsamer Ansatz weiterführt – wo Nationalstaaten an ihre Grenzen stoßen, sollte Europol übernehmen. Sergey Lagodinsky, Vize-Chef der Grünen im Europaparlament, schlägt in dieselbe Kerbe: Geht es um internationale Geldwäsche, dubiose Netzwerke oder vielleicht gezielte Einflussnahme, dann kann man das Thema nicht mehr als rein innerstaatliche Angelegenheit abtun. Die Parlamentsriege sieht besonders in der Möglichkeit der Erpressbarkeit von wichtigen Akteuren – politisch wie wirtschaftlich – kaum zu unterschätzende sicherheitspolitische Risiken. Das Gedankenspiel, autoritäre Akteure könnten sich Schwachstellen zunutze machen, ist keineswegs von der Hand zu weisen. Natürlich bleibt abzuwarten, ob dem Ruf nach systematischer, supranationaler Kooperation wirklich messbare Taten folgen – aber die Debatte ist offenbar eröffnet. Vielleicht braucht Europa diesen Wachrüttler ja gerade jetzt.
Immer mehr Stimmen im Europaparlament bringen Europol und andere EU-Instanzen ins Spiel, um den international verzweigten Kriminalitätshintergrund im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein systematisch zu untersuchen. Dabei wird betont, dass besonders politischer Druck, Bestechlichkeit und ausländische Manipulation die Risiken für demokratische Strukturen in Europa erheblich erhöhen könnten. Neuere Recherchen zeigen: In den vergangenen Tagen wurde in der 'taz' und anderen Medien etwa hervorgehoben, wie naheliegend die Verbindung zwischen globalen Geldströmen und politischer Einflussnahme im Kontext Epstein ist – und wie wenig bislang dazu auf europäischer Ebene geschieht. Erwähnenswert ist, dass die Debatte auch neue Fragen nach Transparenz und parlamentarischer Kontrolle aufwirft, gerade mit Blick auf mögliche Schwachstellen innerhalb der EU selbst. Die Tatsache, dass auch in Großbritannien und Frankreich Verbindungen zu prominenten Persönlichkeiten im Epstein-Umfeld neu beleuchtet werden, setzt weitere Dynamik frei und schürt den Druck auf die europäischen Ermittlungsbehörden.