Nach langem Feilschen um die EU-Lieferkettenrichtlinie mahnt Katarina Barley zu mehr Beständigkeit – immer neue Änderungen bringe niemanden weiter. "Wenn die Regeln einmal stehen, arrangieren sich die Unternehmen damit. Ständiges Nachjustieren bringt nur Verunsicherung", betont die Sozialdemokratin und wirkt dabei fast so, als ginge es ihr um eine nüchterne Lebensweisheit. Sie bleibt überzeugt vom Grundgedanken der Richtlinie: Europa soll keine Produkte zulassen, die etwa durch Kinderarbeit oder die Vernichtung von Urwäldern entstehen. Für Barley ist einheitliche Regulierung auf europäischer Ebene eher ein Beitrag zur Entlastung, da damit ein Wirrwarr aus nationalen Vorgaben entfalle. Ihre Haltung zu Europas Wirtschaftskraft klingt fast trotzig optimistisch: "Mit 450 Millionen Menschen und starken Branchen sind wir eine echte Macht." Doch sie fordert auch, dass Europa sich unabhängiger macht, insbesondere bei den Lieferketten. Frust verspürt Barley angesichts zäher Projekte wie FCAS – die oft an kleinlichem Nationaldenken zu scheitern drohten. "Wir sind letztlich dazu verdammt, zusammenzuarbeiten", so ihr ernüchterndes aber wohl realitätsnahes Fazit. Übrigens: Dass manche Unternehmen längst geübt darin sind, ihre Produktionsprozesse wie ein Chamäleon den jeweiligen Vorgaben anzupassen – Barley würde das als weiteren Grund für stabile Leitplanken sehen, nicht für weitere Flexibilität.
Barley plädiert für Planbarkeit und Beständigkeit im Umgang mit der EU-Lieferkettenrichtlinie und sieht einheitliche europäische Regeln als Instrument zur Bürokratie-Entlastung. Laut aktuellen Medienberichten ist insbesondere seit dem vergangenen Jahr der Druck auf die EU gestiegen, ein verbindliches Lieferkettengesetz durchzusetzen, da ungleiche Standards innerhalb der Mitgliedsstaaten zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Trotzdem gibt es Widerstände, etwa aus der Wirtschaft und einigen Mitgliedsstaaten, vor allem wegen der Sorge vor teuren bürokratischen Auflagen – zuletzt wurde die Richtlinie jedoch von einer Mehrheit im EU-Parlament unterstützt; laut SZ und taz wird mit Inkrafttreten der Richtlinie eine spürbare Verbesserung bei Menschenrechten und Umweltschutz entlang globaler Lieferketten erwartet.