Wenn man Bernd Fitzenberger aufmerksam zuhört – vor allem, wenn er über den deutschen Arbeitsmarkt nachdenkt –, spürt man diese gewisse Mischung aus Zurückhaltung und leiser Hoffnung. 'Wir rechnen im IAB dieses Jahr mit einem kleinen, eher zaghaften Rückgang der Arbeitslosigkeit', meinte er unlängst gegenüber der Mediengruppe Bayern. Euphorie klingt anders. Denn, so Fitzenberger, trotz erster Lichtblicke bleibt die Zahl der Menschen ohne Job auf einem ordentlich hohen Plateau. Neue Stellen? Gähnende Leere – sowohl die Anzahl als auch die Chancen auf Neueinstellungen sind historisch mickrig.
Gleichzeitig versucht er, nicht alles schwarz zu sehen: Die massiven Schwierigkeiten – ja, einige sprechen sogar von einer verkrusteten Lage – seien vermutlich an ihrem Tiefpunkt angelangt. Schlimmer werde es voraussichtlich nicht mehr, immerhin!
Was Fitzenberger in der viel diskutierten Arbeitszeit-Frage umtreibt: Deutschland erlebt ein Rekordniveau beim Erwerbsvolumen und bei der Beschäftigung insgesamt, während die durchschnittliche Stundenzahl pro Person schrumpft – ausgerechnet wegen dem Trend zur Teilzeit. Ein Balanceakt also: Würde man das Schrumpfen der Arbeitszeit erschweren oder Teilzeit verhindern, riskiert man, dass etliche Menschen dem Arbeitsmarkt gleich ganz den Rücken kehren. Stichwort: Unbeabsichtigte Nebenwirkungen. Klar – alles einfach ist selten, und so schwingt bei Fitzenberger immer auch ein bisschen Skepsis mit.
Fitzenberger zeichnet ein abwägendes Bild der Arbeitsmarktentwicklung: Sowohl das Beschäftigungsvolumen als auch die Zahl der Erwerbstätigen erreichen historisch hohe Stände, während die Arbeitslosigkeit zwar leicht sinken, aber auf hohem Niveau verharren dürfte. Die Herausforderungen – etwa geringe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen und eine wachsende Teilzeitquote – bleiben bestehen, vor allem angesichts der konjunkturellen Abkühlung und anhaltender Unsicherheiten im internationalen Handel. Laut aktuellen Medienberichten ist das Thema Arbeitszeit hochrelevant: Die Debatte über Viertagewoche, flexible Modelle und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschäftigt Gewerkschaften, Unternehmen und die Politik, da sie maßgeblich die Produktivität und die zukünftige Struktur des Arbeitsmarktes in Deutschland beeinflussen könnten.