Karin Prien: Gewalt betrifft die gesamte Gesellschaft – mehr Prävention gefordert

Karin Prien, Bundesfamilienministerin und CDU-Mitglied, stellt klar: Gewalt ist kein Randproblem, sondern zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten.

10.02.26 22:46 Uhr | 5 mal gelesen

Wenn man Karin Prien zuhört – neulich, in den 'Tagesthemen' –, dann merkt man, dass ihre Vorstellung von gesellschaftlichen Problemen wenig Spielraum für Ausreden lässt. Gewalt, sagt sie, sei längst kein Einzelproblem verkorkster Beziehungen mehr: Sie geschieht überall. Körperlich, psychisch und – das ist vielleicht das Neueste am Ganzen – digital, in Kommentarspalten, Chatgruppen, überall. Prien fordert konsequentere Beratung für Betroffene und mehr Unterstützung, wenn es ums Anzeigen geht, aber sie lässt es nicht bei strafrechtlichen Dimensionen bewenden. Was mich ein wenig überrascht hat: Sie schiebt das Thema ganz bewusst auch Richtung Bildung – Kindergärten, Schulen, sogar die Familien selbst werden in die Pflicht genommen. Vielleicht klingen solche Appelle fast abgenutzt, aber die gesellschaftliche Debatte ist eben oft zäh. Und: Sie weist auf eine Verunsicherung bei Männern hin, wenn es um Geschlechterrollen geht – ein Punkt, über den man wohl noch heftiger streiten könnte. Was meist untergeht: Studien zeigen, dass vor allem Frauen von Gewalttaten betroffen sind. Trotzdem will Prien Jungen und Männer ausdrücklich adressieren. Wirklich gelöst ist nichts, konstatiert sie, solange Bildungseinrichtungen das Thema noch wegschieben. Auch Migration kommt ins Spiel: Frauen mit Zuwanderungsgeschichte treffen Gewalt besonders hart – warum, darauf müsse man genauer blicken. Für all das kündigt sie mehr Geld – 2,6 Milliarden Euro ab 2027 – und langfristige Bedarfsanalysen an. Ganz praktisch wird es wohl dauern, bis solche Maßnahmen tatsächlich greifen. Und sie legt Wert auf verlässliche Datenerhebung: Laut Prien muss Deutschland der europäischen Pflicht nachkommen und regelmäßig vergleichbare Studien anfertigen. Das klingt erstmal technisch, ist aber wohl grundlegend, damit Debatten nicht ständig aneinander vorbeirauschen.

Prien plädiert für ein umfassenderes Verständnis von Gewalt, die sowohl offline als auch digital stattfände, und macht sich stark für verstärkte Präventionsarbeit – von der frühkindlichen Bildung bis zu Schulen. Besonders auffällig: Sie fordert, Männer in der Auseinandersetzung um Rollenbilder mehr zu berücksichtigen, richtet aber den Blick gleichermaßen auf die mangelnde Sicherheit von Frauen, insbesondere mit Migrationsgeschichte. Geplante Investitionen von 2,6 Milliarden Euro ab 2027 sowie eine bessere Datenlage durch regelmäßige Studien, wie sie nach EU-Recht als verbindlich gelten, sollen mittelfristig zur Problemlösung beitragen. Ergänzend finden sich aktuell zahlreiche Diskussionen über Gewalt gegen Frauen, etwa anlässlich neuer Kriminalstatistiken, wachsende Sorge um Desinformation und Hass im Netz, sowie die zunehmende Notwendigkeit psychosozialer Angebote in Kitas und Schulen. Laut einer ARD-Auswertung werden Strafverfolgung und Prävention zwar verbessert, doch fehlen weiterhin Beratungsstellen, vor allem im ländlichen Raum. Polizei und NGOs betonen, dass niedrigschwellige Hilfeangebote und Genderarbeit bereits in jungen Jahren ansetzen müssten, da viele Betroffene und Täter bereits früh sozialisiert werden.

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