Manchmal verraten Statistiken mehr über die Bewegungen im Arbeitsmarkt, als uns lieb ist. Laut aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes – übrigens beruhend auf der Verdiensterhebung vom April 2025 – sind von der künftigen Mindestlohnerhöhung, die zum 1. Januar 2026 inkrafttritt, bis zu 4,8 Millionen Jobs betroffen. Mit anderen Worten: Nahezu jedes achte Beschäftigungsverhältnis (ungefähr 12 Prozent) lag im April 2025 noch unter dem künftigen Satz von 13,90 Euro je Stunde. Sobald die betroffenen Positionen entsprechend vergütet werden, bedeutet das für die Beschäftigten im Schnitt eine Einkommenssteigerung um etwa sechs Prozent oder, anders gesagt, eine Mehrzahlung von rund 275 Millionen Euro. Ein paar methodische Feinheiten bleiben nicht unerwähnt: Die Kalkulation geht davon aus, dass alle betroffenen Jobs wenigstens nach dem bis dahin geltenden Satz von 12,82 Euro bezahlt wurden — spätere Lohnerhöhungen nach April 2025 ignoriert man hier einfach. Das verzerrt möglicherweise das Bild und lässt die Schätzungen als Obergrenzen erscheinen.
Noch ein Blick zurück: Im Jahr zuvor, also laut der Erhebung von April 2024, hätte die Erhöhung noch rund 6,6 Millionen Stellen betroffen. Die gesunkene Zahl erklärt sich durch branchen- und betriebsinterne Anpassungen. Frauen profitieren laut Statistik übrigens stärker von der Anpassung — etwa 14 Prozent ihrer Jobs sind betroffen, verglichen mit nur 11 Prozent bei Männern. Branchen zeigen bunte Unterschiede: Im Gastgewerbe sind es satte 47 Prozent der Arbeitsplätze, in der Landwirtschaft oder Unterhaltung weit über 30. Wer in der öffentlichen Verwaltung arbeitet, merkt von alldem hingegen kaum etwas (dort sind es nur um die ein Prozent). Regional stolpert man über ein West-Ost-Gefälle — in Ostdeutschland sind mit etwa 14 Prozent etwas mehr Menschen betroffen als im Westen. Sachsen fällt besonders auf: Hier kratzt der Anteil knapp an der 15-Prozent-Marke, während Bayern das Schlusslicht bildet.
Was die Zukunft bringt? Am 1. Januar 2027 soll der Mindestlohn auf 14,60 Euro steigen. Dann könnten laut Schätzungen über sieben Millionen Jobs (gut 18 Prozent) von dieser Anpassung erfasst werden, dazu käme ein weiterer signifikanter Zuwachs der Lohnsumme — geschätzte weitere 315 Millionen Euro. Allerdings halten die Statistiker ein paar Vorbehalte fest: Auch diese Zahlen sollten als obere Schranken gesehen werden, da Lohnerhöhungen nach April 2025 nicht berücksichtigt wurden. So ist das eben mit solchen Hochrechnungen.
Das Statistische Bundesamt legt dar, dass 2026 von der Mindestlohnerhöhung etwa 4,8 Millionen Stellen betroffen sein werden – besonders im Gastgewerbe, in der Landwirtschaft und bei Jobs, die oft von Frauen ausgeübt werden. Insgesamt wird eine Erhöhung der Verdienstsumme im sechsprozentigen Bereich prognostiziert, wobei Ostdeutschland und insbesondere Sachsen stärker betroffen sind als andere Bundesländer. Der Ausblick: 2027 könnte die nächste Mindestlohnwelle bis zu sieben Millionen Jobs erreichen, mit weiteren finanziellen Umverteilungen, allerdings mit der Unsicherheit, dass aktuelle Lohnentwicklungen in die Prognosen erst später einfließen.
Aus Recherche neuer Artikel: Nach aktuellen Presseberichten betonen Arbeitgeberverbände die Herausforderungen durch steigende Lohnkosten, während Gewerkschaften die Mindestlohnerhöhung als notwendigen Schritt für mehr soziale Gerechtigkeit begrüßen. Die ökonomischen Auswirkungen werden kontrovers diskutiert – einerseits stärkt eine höhere Kaufkraft die Binnennachfrage, andererseits fürchten manche Unternehmen, insbesondere aus dem Gastgewerbe und Pflegebereich, zusätzliche Belastungen und den Abbau von Mini- oder Teilzeitarbeitsplätzen. Neue Zahlen aus den ersten Monaten 2026 zeigen, dass die Beschäftigungslage bislang stabil geblieben ist, allerdings beobachten Arbeitsmarktforscher in einzelnen Regionen eine erhöhte Dynamik, etwa durch Umwandlung von Minijobs in reguläre Beschäftigungsverhältnisse.