Elektroautos sind (noch) eine Frage des Geldbeutels

E-Autos bleiben in Deutschland ein Statussymbol – zumindest legen die Zahlen nahe, dass vor allem gut situierte Haushalte klimafreundlich fahren. Im Jahr 2023 hatten lediglich 1,3 Prozent der Haushalte mit weniger als 2.600 Euro Nettoeinkommen ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid, wie das Statistische Bundesamt herausfand.

heute 08:24 Uhr | 6 mal gelesen

Die Statistik erzeugt ein ziemlich klares Bild: Wer weniger verdient, fährt meist keinen Stromer. Nur 3,5 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen zwischen 2.600 und 3.600 Euro im Monat besitzen ein elektrifiziertes Auto, bei 3.600 bis 5.000 Euro steigt der Anteil auf 5,4 Prozent. Erst ab 5.000 Euro und mehr im Monat legt sich gut jedes achte Haus zumindest einen Stecker-Flitzer zu – konkreter: 13,4 Prozent dieser Haushalte. Insgesamt besitzt in Deutschland rund jeder 16. Haushalt ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid. Und egal ob Benziner, Diesel oder Batterie: Immerhin vier von fünf Haushalten haben überhaupt ein Auto. Familienpaare mit Kindern sind bei E-Fahrzeugen offensichtlich experimentierfreudiger. 11,5 Prozent der Paare mit Nachwuchs unter 18 setzen auf Strom oder Hybrid, ohne Kinder sind es nur 7,5 Prozent. Interessanterweise schwankt der Wert je nach Kinderzahl: Ein Kind, rund 10,6 Prozent; zwei Kinder, 12,6 Prozent; drei Kinder und mehr, 10,7 Prozent. Singles kommen eher selten zu elektrisch unterstützter Mobilität – hier sind es lediglich 2,2 Prozent. Wer sich einen Stromer ins Haus holt, entscheidet sich meist für einen Neuwagen oder least ein Fahrzeug. 48,5 Prozent kaufen neu, 45,2 Prozent leasen; gebrauchte E-Autos oder Plug-in-Hybride sind noch selten: 15,2 Prozent. Der Trend geht klar Richtung Neuwagen oder frisches Leasing. Auffällig ist: Der Anteil neu zugelassener Autos mit Stecker steigt wieder. Während der Elektoanteil an Neuzulassungen 2024 noch bei 20,3 Prozent lag, waren es 2025 bereits 30 Prozent! Unterm Strich wurden 2025 über 856.500 Autos mit Stecker verkauft, darunter 545.100 rein batteriegetriebene (BEV) – das sind 19,1 Prozent aller neuen Autos. Ein Problem bleibt: Laden muss einfach gehen. Anfang 2025 gab es bundesweit 160.000 öffentliche Ladepunkte, davon 36.000 Schnelllader. Die Verteilung? In Bayern und Baden-Württemberg sowie an der Nordseeküste gibt’s besonders viele. In ostdeutschen Flächenländern hinkt die Infrastruktur hinterher – ein Altproblem. Im Schnitt liegt die nächste Ladesäule sieben Autominuten entfernt, in Städten oft nur zwei bis fünf, auf dem Land können es schon mal dreißig Minuten werden.

Immer noch ist der Zugang zum E-Auto in Deutschland stark vom Einkommen abhängig – ärmere Haushalte sind praktisch ausgeschlossen. Familien nehmen die Vorreiterrolle ein, Singles bleiben zurückhaltend. Die Ausbaugeschwindigkeit von Ladeinfrastruktur ist zwar beachtlich, aber nach wie vor ungleich verteilt: Ballungsräume profitieren, ländliche und ostdeutsche Regionen geraten ins Hintertreffen. Kürzliche Medienanalysen beleuchten zudem, dass der Wegfall von Förderungen die Nachfrage dämpft und Unsicherheit erzeugt. Stimmen warnen davor, dass der deutsche Markt für E-Autos zeitweise schwächelt – unter anderem durch hohe Preise und unklare politische Rahmenbedingungen. Fachleute sind sich einig, dass der ländliche Ausbau der Ladesäulen sowie günstigere Modelle entscheidend sein werden für den künftigen Markterfolg. Darüber hinaus weisen aktuelle Artikel darauf hin, dass Gebrauchtwagen bei E-Fahrzeugen noch eine Ausnahme darstellen, was die Anschaffung erschwert, und Leasing in wohlhabenden Haushalten dominiert. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert außerdem stabile politische Leitplanken für den Ausbau der Elektromobilität sowie eine sozialverträglichere Förderung, um auch Menschen mit niedrigerem Einkommen zu erreichen.

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