Womit assoziiert man das Silicon Valley? Klar: Start-ups, kreative Köpfe, atemlose Fortschrittsversprechen. Aber 3sat nimmt mit der Doku "Rechtsruck im Silicon Valley" mal echt schonungslos die Kehrseite ins Visier. Längst nicht alles ist Tech-Utopie und rosarote Weltrettung – vielmehr verknüpfen sich die Mythen der Branche auf seltsame Weise mit autoritärem Denken und politischem Kalkül. Libertäre Ideologien und eine, naja, sagen wir mal recht eigentümliche Nähe zu Trumps Machtverständnis stehen im Mittelpunkt der filmischen Analyse. Hier kommen unter anderem Aya Jaff, Volker Weiß und der in Stanford forschende Adrian Daub zu Wort – die Perspektiven prallen förmlich aufeinander.
Im Anschluss (beziehungsweise ein paar Tage später, je nach Gusto und Zeitmanagement) nimmt "Henry Fonda for President" das Publikum auf einen Streifzug durch die US-Geschichte mit. Regisseur Alexander Horwath kann sich dabei kaum entscheiden, ob er Reportage, Biografie oder filmischen Essay liefern will – es wird gleich ein bisschen von allem. Fondas facettenreiches Leben und seine Rollen werden auf sehr amerikanische Art zur Leinwand für große Fragen von Demokratie bis Schauspielkunst. Die Geschichte springt dabei von den Anfängen der Familie Fonda bis hin zu Reagans politischem Aufstieg.
Krönung all dessen: Ein ganzer 3sat-Thementag am 4. Juli, der sich dem Land mit all seinen Widersprüchen und Abgründen widmet. Klassiker, Dokus, Naturfilme und Gesellschaftsanalyse – querbeet das volle Spektrum. Wer mag, taucht schon vorab in der Mediathek in brisante Werke wie "Verbotene Bücher – Kulturkampf in den USA" ab. Übrigens, wer noch tiefer einsteigen will, findet Fotos und weiterführende Infos zu den Sendungen auf den gängigen Pressekanälen. Das Ganze rollt fast wie ein Road Movie ab – mit Überraschungen, Widerhaken, gelegentlichen Anekdoten und mancher Erkenntnis, die länger hängenbleibt als ein Werbespot im Super Bowl.
3sat greift den bevorstehenden 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit auf und bringt ein vielseitiges Programm rund um die komplexe gesellschaftliche und politische Landschaft der USA. Neben der Kultur-Doku zum politischen Rechtsruck im Silicon Valley und einem Dokumentarfilm über die legendäre Schauspielerikone Henry Fonda konzentriert sich besonders der Thementag am 4. Juli auf die Vielschichtigkeit des Landes – von Freiheitsmythen bis zu gesellschaftlichen Konflikten. Neuere Entwicklungen, wie die wachsenden kulturellen wie auch politischen Gräben in den USA, werden in aktuellen Recherchen beispielsweise auf taz.de und spiegel.de ebenfalls kritisch beleuchtet: Diskussionen zum Kulturkampf um verbotene Bücher, zum Einfluss der Tech-Eliten auf Politik sowie die wachsende Sichtbarkeit rechter Strömungen in amerikanischen Konzernen bestimmen – gerade im Vorfeld der Wahlen 2024 – die Debatten. Auch werden Fragen nach Demokratie, Medienfreiheit, gesellschaftlicher Polarisierung und Geschichtsverständnis maßgeblich diskutiert, etwa in der Süddeutschen Zeitung und auf FAZ.net. Schließlich zeigen ergänzende Mediathekenformate, wie vielschichtig und teils widersprüchlich das Bild der USA derzeit ist – zwischen Innovation, Populismus und dem steten Ringen um gesellschaftlichen Zusammenhalt.