Gefährte gesucht: Regierung setzt auf Dialog statt Koalitionsausschuss

Mittwoch steht ein ungewöhnliches Treffen ins Haus – Kanzler, Koalitionsspitzen und Vertreter von Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern unterhalten sich. Offiziell allerdings: Kein Koalitionsausschuss.

heute 12:28 Uhr | 2 mal gelesen

Regierungssprecher Stefan Kornelius stellte am Montag klar: Was da am Mittwoch geplant sei, laufe eben ausdrücklich nicht unter dem sperrigen Begriff 'Koalitionsausschuss'. Klingt fast ein wenig wie eine Einladung zum offenen Kamingespräch, auf das man sich vielleicht sogar freut, weil Wichtigeres als parteipolitische Sandkastenspielchen besprochen werden soll. Die Regierungsparteien haben Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerverbände geladen, um über aktuelle Herausforderungen zu debattieren – und vermutlich auch, um Dampf aus dem Kessel zu nehmen, denn in den letzten Tagen brodelte es gehörig hinter den Kulissen. Der Bundeskanzler hat derweil signalisiert: Es wäre sehr wünschenswert, wenn die 'Sozialpartner' ihren eigenen Beitrag zur Lösung liefern. Ob am Mittwoch tatsächlich etwas Konstruktives herumkommt oder das Treffen am Ende eher an einen Familienrat erinnert, bei dem jeder Kuchen mitbringt, bleibt offen.

Das geplante Treffen der Spitzen der Regierungskoalition mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern am kommenden Mittwoch wird von der Regierung bewusst nicht als Koalitionsausschuss bezeichnet. Stattdessen soll es um einen offenen Dialog zu politischen Positionen gehen, wobei Bundeskanzler Olaf Scholz insbesondere erhofft, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter konkrete gemeinsame Vorschläge einbringen. Ob und wie das gelingt – und ob echte Kompromisse in Sicht sind – wird entscheidend für den weiteren Kurs der Bundesregierung sein. In den letzten Tagen ist bemerkbar geworden, wie angespannt das Verhältnis zwischen den Sozialpartnern aktuell ist – besonders vor dem Hintergrund stagnierender Tarifverhandlungen und einer immer lauter werdenden Diskussion über Arbeitszeit, Inflation und Wirtschaftsförderung. Laut Berichten unter anderem von der Süddeutschen Zeitung und der FAZ wird das Treffen auch als Versuch gewertet, wieder mehr Vertrauen zwischen Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften zu schaffen, gerade nachdem letzte politische Kompromisse eher mühsam errungen wurden. Ein echter Durchbruch wird jedoch nicht erwartet, vielmehr verstehen viele Beobachter das Gespräch als Anfang eines längeren Prozesses (Stand: Juni 2024).

Schlagwort aus diesem Artikel