Die Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) läuft meistens wie ein Déjà-vu ab. Kaum erscheinen die neuen Zahlen, flammt die Diskussion über 'die Migranten als Problem' auf – eine Perspektive, die Irene Mihalic, frühere Polizistin und parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, mit Skepsis betrachtet. 'Wer wirklich für Sicherheit steht, analysiert die Faktenlage – und nicht das Bauchgefühl', so Mihalic gegenüber der „Rheinischen Post“. Sie fordert ein Investieren in präventive Maßnahmen wie Armutsbekämpfung, gezielte Sozialarbeit und Angebote, die insbesondere junge Männer erreichen: 'Gerade diese Altersgruppe taucht in den Statistiken überdurchschnittlich oft auf.' Trotzdem steht fest – sobald Verbrechen passieren, muss der Rechtsstaat eindeutig und entschieden reagieren.
Mit Konstantin von Notz und Misbah Khan hat Mihalic ein Papier mit dem Titel 'Drei Wege gegen Gewalt: Vorbeugen. Durchgreifen. Helfen.' verfasst. Darin rücken sie Armut, Perspektivlosigkeit, soziale Ausgrenzung, psychische Belastungen und Gewalterfahrungen in den Vordergrund. 'Gewalt muss ernst genommen werden, aber Polizei und Gerichte allein reichen eben nicht. Prävention und Unterstützung der Betroffenen sind mindestens genauso wichtig', ergänzt Misbah Khan. Wer hier kürzt, so Khan weiter, dürfe sich nicht wundern, wenn das gesellschaftliche Gleichgewicht ins Wanken gerät. Und ganz ehrlich: Auch die beste Statistik ersetzt am Ende keinen offenen Blick auf die Lebensrealitäten.
Grünen-Abgeordnete machen nach der Veröffentlichung der polizeilichen Kriminalstatistik auf eine wiederkehrende Problematik aufmerksam: Die öffentliche Debatte wird häufig verkürzt geführt, indem Migration vorschnell als Hauptursache genannt wird. Irene Mihalic und Mitautoren fordern einen umfassenderen Blick auf die Risikofaktoren – etwa Armutsverhältnisse, strukturelle Ausgrenzung und unzureichende Präventionsangebote, besonders für junge Männer. Über aktuelle Recherchen zeigt sich außerdem, dass Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis vergleichbare Forderungen äußern: Es braucht gezielte Sozialarbeit, eine Stärkung der Zivilgesellschaft und ein Umdenken bei politischen Steuerungsmechanismen, um den Ursachen von Kriminalität wirklich entgegenzuwirken und Stigmatisierungen abzubauen.