Im Hafen von Reykjavík herrscht seltsame Betriebsamkeit: Der Walfangkonzern Hvalur hf., geführt von Kristján Loftsson, macht seine Schiffe offenbar startklar. Schon in wenigen Tagen könnten sie wieder aufbrechen, um Finnwale zu jagen – eine Art, die nur vom Blauwal übertroffen wird und nach wie vor als bedroht gilt.
Es wirkt beinahe paradox: Während der IFAW (International Fund for Animal Welfare) den Walfang als barbarisch, sinnlos und veraltet anprangert, rechtfertigen manche Isländer:innen diese Praxis mit Traditionen und wirtschaftlichen Interessen. Allerdings gibt es grausame Dokumentationen: Teilweise benötigen sterbende Wale nach dem Harpunenbeschuss Stunden, um zu verenden. Manche werden schwer verletzt, entkommen aber, was kaum erträglich klingt.
„Dass die Tötung der Finnwale wieder bevorsteht, ist schlicht ein Trauerspiel“, meint Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter beim IFAW Deutschland. Er spart nicht mit Kritik an Islands Regierung und der für die Industrie verantwortlichen Ministerin Hanna Katrín Friðriksson. Manche fragen sich, warum – gerade jetzt, angesichts schwindender Nachfrage nach Walfleisch und einer ungewissen Zukunft.
Tatsächlich hatte die Regierung begonnen, das Walfangrecht zu prüfen. Ein neues Gesetz könnte im Herbst eingebracht werden, jedoch scheint unklar, ob das wirklich kurzfristige Wirkung zeigen wird. Das übergeordnete Fünfjahreslizenzmodell könnte bedeuten, dass alles bleibt wie es ist – zumindest bis 2029.
Es kommt zu einem seltsamen Spagat: Während die Nachfrage nach Walfleisch abnimmt und die EU einen klaren Kurs gegen den kommerziellen Walfang fährt, wollen einige Isländer:innen die Jagd als Zeichen der Souveränität behalten. Ein Referendum Ende August soll entscheiden, ob Island die EU-Beitrittsgespräche wieder aufnehmen wird. In diesem Klima wird Walfang schnell zum Politikum.
Unterm Strich hat Hvalur hf. seit der erneuten Legalisierung 2009 mehr als 1000 Finnwale getötet, wobei der Zwergwalfang fast zum Erliegen kam. „Es bleibt die Hoffnung, dass die wachsende Mehrheit im Land diesen blutigen Anachronismus beenden will“, so Dinkelmeyer. Der Druck auf die Politik nimmt jedenfalls zu.
Am Ende steht ein klarer Appell: Die Regierung möge Fanglizenzen verweigern, den Walfang gesetzlich beenden – und nicht zuletzt Verstöße rigoros ahnden. Es fühlt sich an, als hätte Island noch einen Sprung ins Ungewisse vor sich. Oder ist alles doch nur ein zäher Balanceakt zwischen alter Identität und europäischem Druck?
Islands erneuter Walfangsaison sorgt international und in der eigenen Bevölkerung für heftige Kontroversen. Viel spricht inzwischen gegen die Jagd: Der Absatzmarkt für Walfleisch bricht ein, internationale Organisationen wie der IFAW fordern ein sofortiges Aus und auch im Land wächst die Opposition, etwa, weil moderne ethische Standards nicht mehr kompatibel mit dieser Tradition sind. Laut aktuellen Recherchen diskutiert die isländische Politik noch über legislative Schritte – die Debatte spiegelt tiefe Spannungen zwischen wirtschaftlicher Eigenständigkeit, globalem Artenschutz und einer Identitätsfrage wider. Erweiterte Details: Die Debatte um den Walfang in Island gewinnt durch neue Berichte weiter an Brisanz. Island steht nach Medienberichten kurz vor der geplanten Fangquote von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen, während Umwelt- und Tierschutzverbände weltweit protestieren. Premierministerin Katrín Jakobsdóttir äußerte zuletzt, dass ein vollständiges Verbot aus wirtschaftlichen Gründen bislang politisch schwierig durchzusetzen sei, auch weil der Walfang als Symbol für Unabhängigkeit gegenüber ausländischem Druck gesehen wird. Gleichzeitig warnt die Europäische Union Island, sollte die Beitrittsfrage weiter verfolgt werden, müsse sich das Land klar zum Tierschutz und damit gegen industriellen Walfang bekennen. Der Absatzmarkt schrumpft tatsächlich rapide: Laut „The Telegraph“ konnte Hvalur hf. in den letzten Jahren nur noch einen geringen Teil seiner Fänge nach Japan exportieren. Unterdessen mehren sich in isländischen Medien Umfragen, laut denen die Mehrheit der Isländer*innen dem Walfang kritisch gegenübersteht oder ihn klar ablehnt.