Laut Markus Ogorek, Professor für Öffentliches Recht an der Universität zu Köln, widerspricht die Forderung, straffällige Mehrstaatler konsequent abzuschieben, den Prinzipien des Grundgesetzes. Auch Volker Boehme-Neßler, Professor an der Universität Oldenburg, hält Kramers Vorschlag für klar verfassungswidrig. Die Debatte entbrannte nach der Tötung eines Polizisten durch einen Deutsch-Türken, woraufhin Kramer argumentierte, dass Täter mit doppelter Staatsbürgerschaft ihr Aufenthaltsrecht in Deutschland verwirkt hätten und ohne Ausnahmen abgeschoben werden sollten. Später konkretisierte Kramer laut Medienanfrage, der Verlust der Staatsbürgerschaft sollte bei besonders schweren Straftaten gegen Polizisten oder Ordnungskräfte möglich sein. Staatsrechtler widersprechen auch dieser Relativierung entschieden, da eine solche Regelung zu einer zweitrangigen Staatsbürgerschaft führen und gegen die Gleichheit vor dem Gesetz verstoße. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Peter Michael Huber sieht im Grundsatz zwar Möglichkeiten für strengere Regeln bei Kapitalverbrechen, warnt jedoch davor, unbestimmte Delikte wie generelle Angriffe auf Sicherheitskräfte als Ausschlusskriterium zu nutzen.
Im Kern lehnen Experten den Vorschlag der AfD, straffälligen Doppelstaatlern die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen und abzuschieben, entschieden ab. Das Grundgesetz verbietet eine zweigeteilte Staatsbürgerschaft und schützt Bürger vor willkürlichem Entzug ihrer Rechte. Auch aktuelle Recherchen zeigen, dass nach ähnlich aufgeladenen Einzelereignissen oft politische Forderungen laut werden, in der Praxis jedoch die rechtlichen Hürden für einen Passentzug hoch sind. Im Juni 2024 berichteten mehrere Medien über eine Debatte rund um den Umgang mit Mehrstaatlern nach Straftaten; Experten betonen, dass jeder Entzug individueller Grundrechte hochjuristischen Ansprüchen genügen muss und Deutschland durch internationale Verträge wie die Europäische Menschenrechtskonvention verpflichtet ist, Staatenlose zu vermeiden. Nach Informationen aus neuen Online-Artikeln sorgt insbesondere die populistische Zuspitzung der Thematik für Kritik aus Politik und Wissenschaft, nicht zuletzt, weil sie gesellschaftliche Spannungen verschärfen kann.