Justiz digitalisiert sich: Bund und Länder starten eigene Cloud-Initiative

Das deutsche Justizwesen erhält eine zentrale Cloud-Plattform – Bund und Länder wollen damit gemeinsame Sache machen.

07.01.26 10:47 Uhr | 18 mal gelesen

Das Bundesjustizministerium hat – nicht ganz leise, aber überraschend unspektakulär – am Mittwoch den Startschuss für eine bundesweite Justizcloud gegeben. Eilig hatten es die Beteiligten offenbar nicht, trotzdem soll schon Anfang 2027 eine erste Version laufen. Der Plan: Auf dem Rücken der bestehenden öffentlichen IT-Dienstleister wird eine eigene Cloud errichtet, maßgeschneidert für die Anforderungen der Justiz. Ein zusätzliches eigenes Justiznetz ist auch noch vorgesehen, vielleicht so etwas wie eine 'Insel' im digitalen Behördendschungel – mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der Gerichte, Staatsanwaltschaften und anderer Justizorgane bei IT-Fragen zu stärken. Die Rede ist von effizienteren Abläufen und finanziellen Einsparungen – ob das am Ende auch so aufgeht, bleibt abzuwarten. Im ersten Anlauf soll das sogenannte Gemeinsame Fachverfahren (GeFa) über die Cloud in mehreren Bundesländern laufen. Mit der Zeit sollen sämtliche bestehenden sowie noch zu entwickelnden Fachanwendungen nachziehen und über die zentrale Plattform betrieben werden. Für die Leitung des Projekts gibt es einen eigenen Stab, dessen Dreh- und Angelpunkt im Ländle, genauer in Baden-Württemberg, angesiedelt ist. Es bleibt spannend, ob die föderale Eigenbrötelei diesmal digital überwunden werden kann – oder ob doch alter Hickhack und IT-Realitäten den Ton angeben.

Bund und Länder haben sich zusammengetan, um die deutsche Justiz fit für digitale Herausforderungen zu machen, indem sie eine gemeinsame Cloud-Infrastruktur schaffen wollen; die Grundsteinlegung verspricht eine erste funktionierende Fassung bis Anfang 2027. Technologisch stützt sich die gesamte Initiative auf die bereits vorhandene IT-Architektur der öffentlichen Anbieter, angereichert um ein separates Justiznetz, um Sicherheit und Unabhängigkeit zu gewährleisten. Der Ansatz, zentrale Fachverfahren wie das GeFa direkt in die Cloud zu ziehen, ist ein Schritt in Richtung einheitlicher und moderner Prozesse – mit erheblichen Einsparungen als Nebeneffekt. Neuere Berichte über die Digitalisierung des öffentlichen Sektors betonen allerdings auch immer wieder die Herausforderungen, etwa den Datenschutz, die Koordination zwischen den Bundesländern und die Kostenkontrolle. In der Praxis wird die Umsetzung vermutlich weniger gradlinig verlaufen als angekündigt: Die verschiedenen IT-Standards, föderale Interessen und Sicherheitsmechanismen könnten zu Verzögerungen führen, wie jüngste Entwicklungen in anderen digitalen Großprojekten zeigen. Laut einer Analyse der Süddeutschen beschäftigen sich Bund und Länder weiterhin intensiv mit der sicheren Ausgestaltung kritischer IT-Infrastruktur, insbesondere durch die wachsende Bedrohung durch Cyberkriminelle. Auf der politischen Ebene setzt sich derzeit ein stetiger Wandel im Umgang mit IT-Projekten durch – nicht zuletzt getrieben von den Erfahrungen mit Pannen, Verzögerungen und explodierenden Kosten bei anderen Digitalisierungsprojekten. Die Hoffnung bleibt, dass die 'Justizcloud' nicht nur auf dem Papier modernes Arbeiten ermöglicht und auch echte Verbesserungen für Gerichte und Bürger bringt.

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