Wenn ich manchmal lese, dass mehr Kameras das komplette Berliner Stromnetz absichern sollen, ziehe ich innerlich kurz die Augenbrauen hoch. Klingt willkommen simpel – bis man über die rund 35.000 Kilometer an Kabeln und mögliche 100.000 Kameras stolpert. Logistisch und finanziell? Sagen wir diplomatisch: utopisch.
Entscheidend sind die riskanten Stellen. Klar, alles geht eh nicht – aber Zugangspunkte, große Umspannwerke und Engpässe stehen im Fokus. Die meisten Kabel verlaufen im Boden, im sichtlosen Dunkel. Was nützt da eine Kamera? Nicht viel. Fachleute setzen längst auf sogenannte Hotspots: Orte, wo ein Angriff greifbar und fatal wäre.
In puncto Umsetzung ist Geschwindigkeit alles. Klassische, fest installierte Kameraüberwachung steckt in einem Dickicht aus Genehmigungen, Bauarbeiten und Bürokratie. Die Alternative? Mobile Systeme, aufstellen, anschalten, punktgenau beim Problemherd. Die Polizei nutzt sie, Firmen wie LivEye bieten sie an. Praktisch, wenn der Schutz schnell dort sitzen muss, wo es brennt – im wirklichen wie im übertragenen Sinn.
Künstliche Intelligenz kann laut Experten zwar helfen, Riesen-Datenfluten zu filtern und Auffälligkeiten wie unautorisierte Zugänge zu markieren. Aber: Keine KI der Welt kann bislang echte Absichten lesen. Der Mensch bleibt gefragt – schon allein, weil rechtliche Stolperfallen (Stichwort EU-AI-Act) biometrische Analysen verhindern und Fehlalarme teuer wie nervig wären.
Andere Städte (Frankfurt zum Beispiel) zeigen, dass flexible Kameralösungen mit menschlichen Entscheidern durchaus ein solides Schutzschild sein können. Berlin hat dagegen erst kürzlich schmerzhaft gelernt, dass technische Lücken oft an rechtlichen Grauzonen scheitern – ausgerechnet dort, wo ein Angriff auch passierte.
Fazit? Mehr Kameras für die Galerie helfen nicht. Ein gutes Sicherheitskonzept ist priorisiert, flexibel, punktuell und setzt auf schnelles Reagieren – zur Not aus dem Kofferraum. Die Technik kann das, die Anbieter ebenfalls. Entscheidend bleibt: Technik ist – wie eigentlich immer – nur so klug, wie der Mensch, der sie nutzt.
Viele fordern mehr Kameraüberwachung in Berlin zum Schutz kritischer Infrastruktur. Doch Experten bemängeln, dass der größte Teil des Stromnetzes ohnehin unsichtbar verläuft. Flexible, mobile Videoüberwachung an neuralgischen, also besonders anfälligen Punkten haben sich als praktikabler Schutz erwiesen, unterstützt von gezielt eingesetzter Künstlicher Intelligenz zur Auswertung der Bilder. Rechtliche Barrieren – insbesondere durch Datenschutz und den EU-AI-Act – sowie die notwendige Einbindung von menschlichen Entscheidern begrenzen die Wirksamkeit von KI-Lösungen deutlich. Die eigentliche Herausforderung bleibt ein abgestimmtes Schutzkonzept, das technische Möglichkeiten mit vernünftigen Priorisierungen und klaren Verantwortlichkeiten verbindet.
Aktuell (Stand: Juni 2024) wird diese Debatte auch angesichts jüngster Vorfälle in deutschen Großstädten (wie mehreren Brandanschlägen auf Infrastruktureinrichtungen) wieder intensiv geführt. Die Bundesregierung prüft neue rechtliche Spielräume für den gezielten Einsatz KI-gestützter Überwachung, stößt aber weiterhin auf Kritik seitens Datenschutzbeauftragter. Überdies zeigen Städte wie Frankfurt mittels Pilotprojekten, dass flexible, mobile Überwachung – kombiniert mit gezielter menschlicher Auswertung – ein wesentlich effektiveres und anpassungsfähiges Sicherheitsnetz bietet als starre, flächendeckende Überwachungstechnik.