Es fühlt sich manchmal an, als würde am Entscheidungstisch jemand fehlen – nämlich der Mut, Dinge wirklich anzupacken. Karin Prien, Bildungsministerin, sprach es im Gespräch mit der FAZ ziemlich deutlich aus: Ihre Ministerkolleg*innen – ganz gleich, ob bundesweit oder in den Ländern – nehmen den Wert frühkindlicher Bildung nicht ernst genug, wenn es um langfristige Fachkräftesicherung geht. 'In Zeiten, in denen alle auf den Haushalt starren, wünsche ich mir deutlich mehr Weitsicht und etwas Risikofreude', brachte sie es auf den Punkt.
Etwas überraschend (man ahnt es fast) schlug Prien vor, nicht noch mehr Milliarden in die Hochschullandschaft zu lenken. Stattdessen sollte das große Geld endlich bei Kitas und Grundschulen ankommen. Eigentlich ein alter Hut – aber einer, der immer wieder neu poliert werden muss. Dass jeder Euro, der früh investiert wird, sich mehrfach rentiert, versuchen Expert*innen seit Jahren zu erklären – nur leider scheint das Geld trotzdem wie von Zauberhand an den jüngsten Kindern vorbei zu fließen.
Weit weniger magisch ist ihre Warnung zur Haushaltslage: Ohne massive Einsparungen beim Elterngeld und Unterhaltsvorschuss drohen lauter Löcher im Etat. 'Da reden wir von fast einer halben Milliarde, die einfach fehlt' – ehrlich gesagt: Da bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Nebenbei kündigte Prien an, dass bis Jahresende eine gemeinsame Agenda mit Bund und Ländern zur Schulentwicklung verabschiedet werden soll. Interessant – aber wenn die SPD nicht bei den Einsparungen mitzieht, wird diese Agenda wohl noch etwas auf sich warten lassen. All das klingt irgendwie nach einem Knoten, der einfach nicht platzen will. Aber vielleicht überrascht uns die Politik ja doch noch?
Prien fordert mehr Risikobereitschaft von Regierung und Landesministerien beim Thema frühkindliche Bildung, denn sie sieht darin das zentrale Mittel zur Behebung des Fachkräftemangels. Sie plädiert dafür, weniger Geld an Universitäten, dafür aber deutlich mehr in Kitas und Grundschulen zu investieren, unterstützt durch eine gemeinsam mit Bund und Ländern entwickelte datenbasierte Strategie, die noch in diesem Jahr kommen soll. Die Herausforderungen: Massive Haushaltsprobleme durch drohende Kürzungen beim Elterngeld und langwierige Einigungsprozesse im politischen Betrieb – und eine strukturelle Trägheit, die trotz breiter wissenschaftlicher Zustimmung zu frühen Investitionen einen echten Reformschub verhindert.
Laut aktuellen Medienberichten werden genau diese Punkte derzeit sowohl in bildungspolitischen Foren als auch in der Gesellschaft breit diskutiert. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung als Schlüssel gegen soziale Schieflagen ist populärer denn je; neue Studien zeigen, dass Investitionen in diesem Bereich nicht nur bessere Bildungsbiografien ermöglichen, sondern auch dazu beitragen, Chancengleichheit zu stärken und den späteren Fachkräftebedarf nachhaltig zu sichern. Gleichzeitig wird die Dringlichkeit einer grundlegenden Kindergeldreform sowie einer umfassenden Qualifizierungsoffensive für Erzieher*innen immer sichtbarer – wobei das föderale System Deutschlands komplexe, oft auch lähmende Entscheidungswege schafft.