Kernenergie: Kein Gamechanger für den Klimaschutz?

Eine große Rolle wird der Atomkraft beim Schutz des Klimas wohl nicht mehr zukommen – darauf deutet eine neue Untersuchung hin.

heute 17:54 Uhr | 2 mal gelesen

Eine aktuelle Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes rückt die Kernenergie ins Rampenlicht – allerdings fast schon als Nebenfigur. Die globale Energiewende bis 2050, so das Papier, baut vor allem auf Wind und Sonne, das sagt sich leichter als getan. Laut Auswertung bleibt die Kernkraft in den meisten Szenarien das „fünfte Rad am Wagen“: maximal neun Prozent Anteil am Strommix im Jahr 2050, manchmal sogar null. Die Forscher teilten mit, dass die oft beschworene Renaissance der Atomenergie – trotz ambitionierter Ausbaupläne einiger Länder – ziemlich unwahrscheinlich ist. „Neue AKWs sind einfach zu teuer, dauern ewig im Bau, und sind ziemlich sperrig für ein Energiesystem, das Wind- und Sonnenstrom aufsaugt wie ein Sommerkind das Eis“, sagt Christoph Pistner vom Öko-Institut. Auf die schnellen Pferde sollte man setzen – sprich Technologien, die sich rasch und kostengünstig in ein verändertes Stromsystem einfügen lassen. Eben erneuerbare Energien. Wer die Preise vergleicht, reibt sich ungläubig die Augen: Im Jahr 2020 lagen sie bei Atomstrom bei 15 bis 19 Cent pro Kilowattstunde – Land-Windenergie und Photovoltaik schneiden deutlich günstiger ab. Und die Schere geht weiter auseinander, sagen die Modelle: Bis 2030 könnte Kernenergie sogar noch teurer werden; Sonne und Wind hingegen günstiger. Sowieso, Atomkraft als Mittel für günstigen Klimaschutz? Die Autoren halten dagegen. Für den schnellen und flexiblen Ausgleich der wetterabhängigen Erneuerbaren taugt konventionelle Kernkraft wenig – ihre Starrheit ist einfach fehl am Platz. Dazu die gewaltige Rechnung: Es bräuchte von jetzt an jedes Jahr einen Ausbau wie beim historischen Spitzenwert der Vergangenheit, um die Kapazität bis 2050 überhaupt zu verdreifachen. Das ist eher ein theoretisches Rechenexempel als realistische Planung. Pistners Resümee: „Neue AKWs? Zu aufwendig, zu spät, zu teuer.“ Bleibt Wind, bleibt Sonne. Bleibt eigentlich keine Zeit für lange Debatten.

Nach der Recherche diverser Meldungen und Veröffentlichungen der letzten Tage zeigt sich ein deutlicher Trend: Erneuerbare Energien – insbesondere Windkraft und Photovoltaik – sind global auf dem Vormarsch und verzeichnen weiter sinkende Kosten, während Atomkraft durch hohe Baukosten und lange Genehmigungszeiten ausgebremst wird. Die meisten neuen Atomkraftwerksprojekte hinken den Zeitplänen erheblich hinterher; einige europäischen Länder, darunter Deutschland, setzen stattdessen auf massive Investitionen in Energiespeicher und Netzausbau, um die Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Quellen zu untermauern. Die Debatte um den Platz der Kernenergie wird dennoch von einzelnen Interessensgruppen und reichen Staaten wie Frankreich oder China weiterhin befeuert, wie aus mehreren aktuellen Medienberichten hervorgeht – allerdings mit immer stärkeren wirtschaftlichen, logistischen und politischen Hürden.

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