Kretschmer: Mehr heimische Braunkohle statt steigender LNG-Abhängigkeit

Weil die Gasspeicher schrumpfen und Deutschland immer mehr Flüssigerdgas aus Übersee bezieht, plädiert Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für eine Rückbesinnung auf den einheimischen Energieträger Braunkohle.

heute 05:03 Uhr | 3 mal gelesen

CO2 zu sparen, bleibt für uns ein wichtiges Ziel – keine Frage. Aber manchmal befinden wir uns in einem energiepolitischen Spagat: Was auf dem Papier schlüssig klingt, ist in der Praxis nicht immer sozial oder wirtschaftlich tragfähig. Genau das thematisiert Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Da Gasspeicher rapide zur Neige gehen und Deutschland aus den USA vermehrt teures Flüssigerdgas (LNG) importiert, müsse, so Kretschmer, die Braunkohle wieder stärker berücksichtigt werden. „Wir sollten uns weniger Scheuklappen aufsetzen, wenn es um unseren Energiemix geht“, sagt er sinngemäß – und erinnert: Der ursprüngliche Plan, beim Atomausstieg auf günstiges russisches Gas und den Bau von mehr Gaskraftwerken zu setzen, wurde durch geopolitische Verschiebungen quasi zunichte gemacht. Paradox: LNG-Schutzmaßnahmen passen laut Kretschmer nicht zur Verteuerung der Braunkohle durch CO2-Preise – denn klimatisch liegen beide Energieformen relativ nah beieinander. Sein Vorschlag? Den CO2-Preis für Braunkohle pausieren, damit diese konkurrenzfähig bleibt. Nur so sichere man regionale Arbeitsplätze und politische Unabhängigkeit und nutze lang existierende Infrastrukturen weiter. „Wir reißen bestehende Kohlekraftwerke ab und setzen an derselben Stelle Gaskraftwerke hin, mit kaum Gewinn für das Klima. Sollten wir darüber nicht nochmal ehrlich – und ohne Denkverbote – reden?“, so Kretschmer. Klingt nach einer Einladung zur grundsätzlichen Debatte.

Kretschmers Forderung stößt auf geteiltes Echo: Während Teile der Wirtschaft seinen Pragmatismus angesichts leerer Gasspeicher und steigender Preise begrüßen, halten Umweltverbände und Vertreter der Grünen dagegen. Sie warnen davor, kurzfristige Versorgungsengpässe als Rechtfertigung für eine Rückkehr zur Braunkohle zu nutzen, da dies die Klimaziele gefährde. Derzeit arbeitet die Bundesregierung an einem neuen Kraftwerksstrategie-Papier, um die Balance zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz zu finden. In aktuellen Analysen wird darauf hingewiesen, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren drastisch steigen könnte – insbesondere durch den Ausbau der Elektromobilität und die Elektrifizierung von Industrieprozessen (Quelle: [Bundesnetzagentur](https://www.bundesnetzagentur.de)). Die Debatte spiegelt auch den wachsenden gesellschaftlichen Konflikt zwischen kurzfristigem Handlungsdruck und langfristigem Klimaschutz wider.

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