Kulturstaatsminister Weimer: Internetplattformen sollen mehr Verantwortung für Kinder und Jugendliche tragen

Wolfram Weimer, der parteilose Kulturstaatsminister, fordert ein Umdenken: Die großen Digitalplattformen sollen künftig beim Schutz junger Menschen aktiver eingebunden werden.

heute 01:03 Uhr | 2 mal gelesen

Es sind nicht die Eltern oder die kids allein, die für ihre Sicherheit im Netz verantwortlich sein sollten – so sieht es zumindest Wolfram Weimer. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe plädiert er dafür, das sogenannte Verursacherprinzip anzuwenden, sprich: Wer den digitalen Raum bereitstellt, trägt auch die Verantwortung, dass Minderjährige geschützt werden. Statt immer nur an App-Verbote oder elterliche Kontrollen zu denken, solle das Augenmerk laut Weimer mehr darauf liegen, die Plattformbetreiber zu verpflichten, ihre Dienste altersgerecht und sicher zu gestalten. Besonders wichtig ist ihm ein verlässliches Altersverifikationssystem – das aber nicht irgendwo als Feigenblatt eingeführt werden darf, sondern konsequent durch Bund, Länder und europäische Institutionen durchgesetzt werden sollte. Offenbar schwebt ihm ein grundsätzliches Umdenken vor: Die Rechte und Bedürfnisse der jungen Generation sollen in der digitalen Welt im Mittelpunkt stehen, nicht andersherum. Weimer möchte das nicht nur im Bereich Jugendschutz belassen, sondern auch gezielt die Nachrichtenkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken – ein Punkt, der gern übersehen wird. Manchmal klingt das alles nach Politikfloskel, aber zwischen den Zeilen blitzt zumindest ein bisschen fundamentale Skepsis gegenüber der bisherigen Verantwortungslosigkeit der Tech-Konzerne durch. Übrigens – bemerkenswert finde ich den Perspektivwechsel in Weimers Ansatz: „Wir verbieten den Plattformen, ungehindert ins Kinderzimmer zu gelangen“ – das dreht den Diskurs mal ganz erfrischend um.

Weimer bezieht klar Stellung: Plattformbetreiber sollen verpflichtet werden, für effektiven Jugendschutz zu sorgen – auch durch eine verlässliche Altersverifikation, die von Behörden konsequent kontrolliert wird. Er will die Verantwortung nicht länger auf Familien abwälzen und fordert, die digitalen Angebote stärker an die Lebenswelt und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen anzupassen. Neben Standards beim Schutz spricht er sich auch für Förderung der Medienkompetenz junger Menschen aus – ein Konzept, das in Deutschland angesichts wachsender Sorgen um Desinformation und digitale Risiken zunehmend diskutiert wird. Aktuell gibt es international wie national eine intensive Debatte zu strikteren Regelungen für soziale Plattformen. Die neuen europäischen Digitalgesetze (u.a. der Digital Services Act) nehmen Anbieter stärker in die Pflicht, gefährdende Inhalte und ungeeignete Angebote für Minderjährige proaktiv zu unterbinden. Mehrere Fälle von Cybermobbing oder Datenmissbrauch in sozialen Medien sorgten in den letzten Monaten für erneute Diskussionen um staatliche Maßnahmen, technische Verifizierungsverfahren und einen bewussteren Umgang aller Beteiligten mit Kinderrechten im digitalen Raum.

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