Wenn man ehrlich ist, überrascht es kaum: Die Bahn hat im ADAC-Test wieder einmal bei Pünktlichkeit und Verlässlichkeit nicht überzeugt. Von 118 geplanten ICE-Verbindungen mussten gleich 14 ganz ausfallen – bei den übrigen war weniger als die Hälfte (nur 41 Prozent) wenigstens laut Bahndefinition pünktlich. Wobei alles bis sechs Minuten Verspätung noch als 'pünktlich' gilt. Wer beim Umsteigen aber wenig Zeit hat, verliert plötzlich wichtige Minuten – nur bei 44 Prozent klappte das laut ADAC.
Was steckt dahinter? Meist lag’s an klassischen Bahnproblemen wie Signalstörungen, Baustellen und fehlendem Personal. Selten war wirklich höhere Gewalt schuld – zum Beispiel heftige Schneefälle. Die Bahn-App DB Navigator glänzt immerhin damit, häufig sehr frühzeitig Änderungen zu melden; in einem Drittel der Fälle aber hing die Informationslage der Realität bis zu 25 Minuten (!) hinterher. Besonders bitter: Manche Züge fuhren sogar früher als angekündigt – da hilft keine gute App, wenn man dann mit Kaffee in der Hand am leeren Gleis steht.
Positiv: Im Inneren der ICEs gab es oft wenig zu meckern. 95 Prozent sauber, fast immer funktionieren Heizung, Klimaanlage und WLAN – und auch das Bordbistro hatte zu 96 Prozent geöffnet. Die Toiletten: ebenfalls meist benutzbar. Das zuletzt gestartete Schnellprogramm für Verbesserungen (20 Mio. Euro Investition) hat offenbar erste Wirkungen gezeigt – zumindest empfanden das die Tester so.
Trotz allem empfiehlt der ADAC: Die Bahn-App sollte man unbedingt nutzen, aber nie blind vertrauen. Displays am Bahnsteig und Lautsprecherdurchsagen bleiben Pflicht. Und: Lieber einen Zug früher nehmen, immer genug Zeitpuffer einplanen, falls es mal wieder länger dauert. Wer zu spät ist, bekommt mittlerweile recht unkompliziert Entschädigungen über das Kundenkonto in der App.
Der ADAC fordert neben mehr Transparenz (vor allem bei den Statistiken) auch, dass Sitzplatzreservierungen automatisch übertragen werden müssen, wenn ein Zug ausfällt oder sich die Verbindung ändert. Und wenn das gerade nicht geht, braucht es bessere Entschädigungen – bisher sei das für die Betroffenen in vielen Fällen alles andere als zufriedenstellend.
Der Test des ADAC unterstreicht erneut die Schwachstellen der Deutschen Bahn, insbesondere bei den Themen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Immerhin lässt sich erkennen, dass Investitionen zur Steigerung des Reisekomforts (wie Sauberkeit, funktionierende Technik im Zug und Service im Bordbistro) spürbare Verbesserungen bringen – doch die harten Fakten wie Verspätungen und Zugausfälle liegen weiterhin auf einem enttäuschend hohen Stand. Laut aktuellen Medienberichten (z.B. FAZ, Spiegel, taz) ist die Lage im Sommer 2024 weiterhin angespannt: Besonders die Streckenauslastung und der altbekannte Infrastrukturstau (alternde Brücken, überfüllte Hauptkorridore, zahlreiche Baustellen) sorgen für zusätzliche Frustration bei den Fahrgästen. Hinzu kommt, dass im Juni mehrere schwere Unwetter das Netz lahmlegten – die Bahn stand vor der Herausforderung, schnell Reparaturteams zu koordinieren und die Kommunikationskanäle zu verbessern (vgl. Zeit.de und sueddeutsche.de Mitte Juni 2024). Politisch wird inzwischen über weitere milliardenschwere Investitionen und eine unabhängige Überwachung der Pünktlichkeitsstatistik diskutiert, um das Vertrauen der Kundschaft langfristig zurückzugewinnen.