Linke warnt: Deutschlands Rentensystem führt viele in Altersarmut

Die Linke schlägt Alarm angesichts der steigenden Gefahr von Altersarmut in Deutschland. Hintergrund ist eine parlamentarische Anfrage, bei der deutlich wurde: Wer heute nicht mit einem relativ hohen Lohn durchs Arbeitsleben geht, landet im Alter womöglich unter der Armutsgrenze.

04.01.26 01:02 Uhr | 36 mal gelesen

Für eine monatliche Rente von 1.200 Euro müsste man rund 16 Euro pro Stunde über 45 Jahre hinweg verdienen – für 1.500 Euro mehr als 21 Euro, und um die 2.000 Euro sogar annähernd 29 Euro pro Stunde. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Fast 19 Millionen arbeiten für weniger als 20 Euro pro Stunde, rund 11 Millionen liegen sogar unter 16 Euro. Das heißt, ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung kann mit der derzeitigen Lohnstruktur kaum verhindern, im Alter ins finanzielle Abseits zu geraten. Dietmar Bartsch von der Linken findet dazu deutliche Worte: "Das ist kein Ausrutscher, sondern ein Systemfehler." Für ihn steht fest: Das Rentenniveau ist zu niedrig und auch mehrere Mindestlohnerhöhungen retten viele nicht vor späterer Armut. Das Arbeitsministerium wiegelt indes ab: Aus Modellrechnungen seien keine definitiven Schlüsse auf kommende Armut möglich. Schließlich berücksichtigen die Statistiken nicht alle Einkommensquellen im Alter und der angenommene lebenslange Stundenlohn sei ohnehin wenig realistisch – zu unterschiedlich und sprunghaft verliefe das Arbeitsleben. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack – kann es wirklich sein, dass ein Leben voller Arbeit so wenig Sicherheit bietet?

Die Warnungen der Linken stützen sich auf Berechnungen, wonach selbst ein Jahrzehnte lang erhöhter Mindestlohn oft nicht reicht, um im Alter über der Armutsgrenze zu liegen. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen mit Löhnen konfrontiert, die eine komfortable Altersvorsorge kaum erlauben – ein systemisches Problem, das nicht durch individuelle Anstrengung zu lösen ist. Zwar unterstreicht das Arbeitsministerium, dass Modellrechnungen und Armutsrisiko nur bedingt vergleichbar seien, doch aktuelle Statistiken etwa von der Deutschen Rentenversicherung zeigen: Die Durchschnittsrente liegt weiterhin unterhalb der Schwelle zur Armut und Frauen sind häufiger betroffen. Fachleute weisen darauf hin, dass private Zusatzvorsorge für viele finanziell kaum möglich ist und die Einkommensschere zwischen Alt und Jung weiter auseinandergeht. Die aktuellen Reformdebatten verlaufen laut mehreren Medienberichten zwischen Rufen nach einem höheren Rentenniveau, einer aktiven Erwerbsbeteiligung bis ins hohe Alter und einer stärkeren Einbindung aller Einkommensarten in die Altersvorsorge. Selbst Ökonomen äußern Zweifel, ob das Drei-Säulen-Modell angesichts von Niedriglohnsektoren und prekären Arbeitsverhältnissen künftig ausreicht.

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