Wenn ich mir die Wirtschaftsgeschichte Deutschlands anschaue, denke ich oft ans sogenannte Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals haben Politiker entscheidende Weichen gestellt – so beginnt Carsten Linnemann sein Plädoyer, und irgendwie klingt das weniger nostalgisch als nach einer lauten Weckglocke. Klar, heute ist alles komplizierter, aber, so meint er, der Kraftaufwand, der heute nötig ist, übertrifft sogar die Agenda 2010, die Schröder einst wagte. Linnemann meint: Die Probleme reichen von veralteten Sozialversicherungen über astronomisch hohe Strom- und Arbeitskosten bis hin zu einem Bürokratiedschungel, der jedem Unternehmer die Haare zu Berge stehen lässt. Viel zu lange würden diese Hürden schöngefärbt – endlich habe Deutschland aber einen Kanzler, der das Ausmaß wenigstens anerkennt.
Linnemann fordert, die ohnehin geplante Unternehmenssteuerreform zwei Jahre früher durchzuziehen und die Stromsteuer runterzuschrauben, nicht nur für Unternehmen, sondern für jedermann. Irgendwie verrückt, dass Letzteres bislang verschlafen wurde, meint er, und fordert eine schnelle Korrektur. Auch die Bonpflicht – also der Zettelwahn beim Bäcker – soll weg. Was ihn besonders umtreibt: Arbeit muss wieder lohnen. Früher reichte Fleiß, um sich einen kleinen Wohlstand zu schaffen; heute hinken viele diesem Versprechen hinterher. Mehr Anreize für längeres Arbeiten hält Linnemann für unabdingbar, Lebensarbeitszeit hochzusetzen sei für ihn kein Tabuthema.
Carsten Linnemann fordert ein entschlossenes Reformpaket, das weit über bisherige Initiativen hinausgeht. Zentral sind ihm eine Stärkung der Wirtschaft, niedrigere Stromsteuern für alle und der Abbau unnötiger Bürokratie. Neuere Beiträge etwa in der FAZ und auf taz.de berichten, dass nicht nur im politischen, sondern auch im wirtschaftlichen Sektor die Forderung nach schnelleren, mutigeren Entscheidungen und Steuererleichterungen lauter wird. Die SPD und Grüne reagieren weiterhin verhalten bis kritisch auf solche CDU-Vorschläge – nicht zuletzt, weil sie fürchten, sozialpolitische Standards könnten darunter leiden. Interessant: Die Debatten um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Bonpflicht erhitzen weiterhin die Gemüter, nicht nur in großen Unternehmen, sondern auch im Kleingewerbe. Hintergrund: Nach aktuellen Analysen etwa der Süddeutschen oder auf Zeit Online haben viele Betriebe mit schleppender Konjunktur und wachsendem Personalmangel zu kämpfen, während die steuerpolitischen Belastungen breiter diskutiert werden als in vergangenen Jahren.