Es ist schon beinahe ein Reflex: Kaum gibt es einen Vorfall, wird analysiert, was gut lief und was schief. Friedrich Merz schlug genau diesen Ton an, als er nach der CSU-Klausur betonte, dass man den Berliner Stromausfall im Prinzip nicht besser hätte managen können. Das hat fast etwas Lakonisches, denn wenn man ehrlich ist, merkt man beim zweiten Blick: Redundante Systeme – diese eher sperrige, aber wichtige Sache – fehlten schlichtweg. Und da spüren nicht nur Technikfans, dass wir als Gesellschaft tatsächlich eine gewisse Verwundbarkeit akzeptieren. Permanent alles lückenlos zu sichern, ist laut Merz illusorisch, aber zumindest bessere Notlösungen müssten auf die To-do-Liste. 'Wir werden sehr genau hinschauen', versprach er – ein Satz, bei dem viele wohl instinktiv an die letzten Jahre voller ähnlicher Wiederholungen denken. Nebenbei: Markus Söder, selten um eine klare Ansage verlegen, stellte klar, dass Berlins Bürgermeister Wegner kein Unrecht beging, als er beim Tennis abspannte, während andernorts über Linksterrorismus diskutiert wurde. Für Söder hat diese Form politisch motivierter Gewalt jetzt unmittelbare, spürbare Auswirkungen – und überlagert letztlich randständige Diskussionen übers Freizeitverhalten führender Politiker.
Friedrich Merz steht nach dem Stromanschlag in Berlin für eine umfassende Auswertung der Ereignisse ein. Er verteidigte die getroffenen Maßnahmen, räumte aber Versäumnisse im Bereich Redundanzen ein und forderte künftige Verbesserungen bei der Absicherung kritischer Infrastrukturen. Markus Söder konzentriert sich in der Debatte auf die gesellschaftliche Gefahr von Linksterrorismus und rückt somit den eigentlichen Auslöser stärker in den Vordergrund als Nebenfragen zur Krisenbewältigung.
Nach aktueller Recherche haben diverse Medien den Vorfall ähnlich bewertet: Die taz beschreibt, dass die betroffene Strominfrastruktur in Berlin nicht ausreichend gegen gezielte Angriffe geschützt war, und fordert eine breitere sicherheitspolitische Diskussion, die technologische und gesellschaftliche Ursachen gleichermaßen beleuchtet. Die Süddeutsche betrachtet den Anschlag als Symptom wachsender gesellschaftlicher Spannungen und mahnt mehr Dialog an, um Radikalisierung am Rand zu verhindern. Die FAZ hingegen fragt, ob die politischen Reaktionen angemessen oder vielmehr reaktiv sind, und kritisiert eine Tendenz zur Symbolpolitik statt substanzieller Lösungen.