Bundesdrogenbeauftragter lehnt kontrollierte Vergabe harter Drogen ab

Hendrik Streeck, Bundesdrogenbeauftragter der CDU, positioniert sich klar gegen eine staatlich regulierte Ausgabe sogenannter harter Drogen.

08.01.26 13:47 Uhr | 12 mal gelesen

„Eine ganze Gesellschaft einfach zum Experimentieren freizugeben – das funktioniert nicht,“ so Streeck gegenüber der ZEIT. Für ihn sei es schlicht unmöglich, die Konsequenzen in den Griff zu bekommen. In seinen Augen könnte dadurch das soziale Gefüge ins Wanken geraten: „Hat man das einmal losgetreten, kann man es womöglich nicht mehr zurückholen. Und die Rechnung zahlt am Ende die gesamte Gesellschaft.“ In jüngster Zeit mehren sich tatsächlich – gerade aus wissenschaftlichen oder aktivistischen Kreisen – die Stimmen für eine lockerere, gegebenenfalls kontrollierte Drogenabgabe. Der Schildower Kreis, ein Zusammenschluss unterschiedlichster Expertinnen, bringt diese Forderung besonders lautstark voran. Streeck betrachtet das Ganze dennoch äußerst skeptisch: „Gerade als Mediziner trage ich eine Verantwortung. Ich kann und will mit meiner Position kein unkalkulierbares Risiko eingehen. Wichtig bleibt für mich: Prävention! Das Ziel sollte immer sein, Menschen davor zu bewahren, überhaupt mit solchen Substanzen in Berührung zu kommen.“ Interessant ist ja: Auch wenn das Thema regelmäßig wiederkehrt, bleibt der Ton rau. Es ist eben doch eine dieser gesellschaftlichen Fragen, bei denen es nur selten einfach schwarz oder weiß gibt. Wer einmal mit Betroffenen gesprochen hat, spürt schnell, wie groß die Ambivalenz dahinter ist.

Die Debatte um eine mögliche Freigabe harter Drogen kocht aktuell erneut hoch. Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck spricht sich vehement gegen eine kontrollierte Abgabe aus und warnt vor unüberschaubaren gesellschaftlichen Folgen. Er betont, dass Prävention Vorrang haben müsse – und fürchtet, dass ein erneuter Kontrollverlust langfristig viel Schaden anrichten könnte. Wissenschaftliche Netzwerke wie der Schildower Kreis hingegen pochen auf eine Neuausrichtung der Drogenpolitik unter Berufung auf neue Studien und Erfahrungen aus anderen Ländern. Aktuell ist zu beobachten, dass beispielsweise in der Schweiz, in verschiedenen kanadischen Städten und in Teilen der USA bereits experimentell mit kontrollierten Drogenabgaben – vor allem im Bereich Opioide – gearbeitet wird. Die Erfahrungen damit sind durchaus gemischt, auch wenn es teilweise zu sinkenden Todeszahlen führte. In der deutschen Politik herrscht weiterhin uneinheitliche Haltung: Während Grüne und einige SPD-Politiker mehr Spielraum für alternative Ansätze fordern, bleibt der konservative Flügel skeptisch und warnt vor Dominoeffekten und einer Zunahme der Suchtproblematik. In vielen Medienbeiträgen aus den letzten Tagen werden zudem gesellschaftliche, medizinische und rechtliche Aspekte von Präventionsprogrammen, Drogenkonsumräumen und der Legalisierung sogenannter weicher Drogen wie Cannabis diskutiert.

Schlagwort aus diesem Artikel