Milliardenerlass bei CO2-Strafen: Wie lockere EU-Regeln Autokonzerne entlasten

Gelockerte CO2-Vorgaben der EU haben Europas Autoherstellern im letzten Jahr erhebliche Strafzahlungen erspart – hochgerechnet auf bis zu 4,2 Milliarden Euro.

heute 09:08 Uhr | 7 mal gelesen

Der Ursprung für diese großzügige finanzielle Schonzeit der Automobilbranche liegt, so der 'Spiegel' unter Verweis auf Auswertungen der Umweltorganisation ICCT, in der jüngsten Anpassung der CO2-Vorgaben durch die EU-Kommission. Eigentlich stand 2025 als Stichtag fest: Fahrzeughersteller sollten ihren durchschnittlichen CO2-Ausstoß gegenüber 2021 um ein gutes Sechstel drücken. Im Sommer 2023 wurde dann entschärft: Abweichungen dürfen jetzt über die Jahre 2025 bis 2027 verrechnet werden – eine Art temporäres CO2-Konto. Die Sanktionszahlungen – satte 95 Euro je Gramm CO2 und Fahrzeug, das über dem Flottendurchschnitt liegt – werden künftig erst für das Gesamtmittel der drei Jahre am Ende 2027 fällig, nicht mehr für jedes einzelne Jahr. Besonders Volkswagen profitiert: Laut Berechnungen bleibt der Konzern so potenziellen Strafen von bis zu zwei Milliarden Euro fern. Mercedes indes erreichte sein Flottenziel nur durch die Hilfe anderer Hersteller (etwa Smart oder Volvo) mit verbesserter Klimabilanz, von denen sie quasi Emissionsrechte zukaufen konnten. Nur BMW schaffte es bereits 2025, seine Vorgaben aus eigener Kraft zu unterbieten – da 27 Prozent der verkauften Autos vollelektrisch waren. Nicht selbstverständlich übrigens: Diese Marktdynamik erzeugt interessante Verschiebungen im europäischen Automarkt.

Durch eine Reform der EU-Kommission, die Autokonzernen erlaubte, CO2-Überschreitungen zwischen 2025 und 2027 zu verrechnen, entfielen im Vorjahr laut ICCT-Berechnungen rund 4,2 Milliarden Euro an CO2-Strafzahlungen – statt sie 2025 einzufordern, kann die Industrie bis 2027 'ausgleichen'. Besonders Volkswagen und Mercedes profitieren, wobei letzterer durch sogenannte 'Pools' mit emissionsärmeren Partnern nachhelfen musste. BMW hingegen schaffte es eigenen Angaben zufolge, die Ziele allein und dank eines gestiegenen E-Auto-Anteils einzuhalten. Ergänzend haben Recherchen auf deutschen Nachrichtenseiten ergeben, dass die Diskussion um eine sozial gerechte Ausgestaltung der Verkehrswende, mögliche Schlupflöcher bei der Klimapolitik und das Ausmaß der Lobby-Einflüsse auf die Gesetzgebung die Schlagzeilen prägen. In neueren Artikeln wird auch darauf hingewiesen, dass die EU Kommission derzeit unter erheblichem Druck steht: Während Klimaaktivisten den Aufschub als Rückschritt kritisieren, begrüßen Wirtschaftsverbände die 'Atempause' angesichts lahmender E-Auto-Innovationen und verunsicherter Käufer. Laut Süddeutscher Zeitung und Zeit Online wächst der politische Streit um die künftige Ausrichtung der europäischen CO2-Regulierung; auch, weil die Absatzprognosen für Elektroautos derzeit unter Erwartungen bleiben, wodurch die Einhaltung künftiger Zielwerte immer mehr zur Herausforderung wird.

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