Mit ihrem Beschluss zu neuen EZ-Handelsbenchmarks zwingt die EU-Kommission die Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland quasi zum Schrumpfen: Rund 140 Millionen Euro jährlich an zusätzlichen Belastungen entstehen, weil Unternehmen künftig deutlich weniger kostenlose CO2-Zertifikate erhalten. Diese Mittel fehlen, um den überfälligen Umbau der Werke in Richtung Klimaneutralität anzugehen. Hans-Christoph Gallenkamp, Kopf des Branchenverbands, geht hart ins Gericht mit dem System: Der aktuelle Maßstab für kostenlose Zertifikate sei praxisfern, betone Ausnahmeanlagen und greife daneben, statt die Breite der industriellen Realität widerzuspiegeln. Überdies seien die Daten der Berechnungsgrundlage oft schwer nachvollziehbar, sodass Standardanlagen chancenlos bleiben – mit der unschönen Folge, dass die energieintensive Papierbranche in Europa an Wettbewerbsfähigkeit verliert und das ohnehin gefürchtete Carbon Leakage weiter verschärft wird.
Laut dem Industrieverband frustriert, dass die Rückmeldungen der Unternehmen bei der Formulierung der Benchmarks quasi ignoriert wurden: Viele Signalrufe, wenig Wirksamkeit. Von einer echten Steuerungsfunktion für den Klimaschutz, die die Wirtschaft schultern kann, keine Spur. Die Transformation kommt ins Stocken, weil nicht nur Investitionsanreize fehlen, sondern auch infrastrukturelle Voraussetzungen wie bezahlbare Energie oder Netzanschlüsse hinken. Ein Beispiel aus der Praxis: Wer seine Anlagen elektrifizieren will, wartet in manchen Regionen jahrelang auf die nötigen Netzkapazitäten – und steht so vor einem absurden Paradox: Die Betriebe sollen grüner werden, aber die Bedingungen dafür sind im Alltag meist nicht gegeben. Gallenkamp bringt es auf den Punkt: Viele Betriebe laufen Gefahr, ihre Standorte nicht zu halten, sollten die Fehler der jetzigen Benchmark-Methodik im kommenden ETS-Review nicht konsequent korrigiert werden.
Die neuen Benchmarkwerte im europäischen CO2-Emissionshandel treffen die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie hart: Ihre kostenlosen Zertifikate werden gekürzt, wodurch Investitionsspielräume schwinden und die Transformation Richtung Klimaneutralität ins Stocken gerät. Die aktuell genutzte Methodik sei laut Verband nicht realitätsnah; sie nehme Sonderfälle als Maß, während sie Durchschnittsanlagen außen vor lasse. Hinzu kommen externe Herausforderungen wie fehlende Infrastruktur für alternative Energien, stetig steigende Energiepreise und Unsicherheit bei der politischen Ausgestaltung der Energiewende. Recherchen aus aktuellen Medienberichten stützen diese Sichtweise: Beispielsweise wird in Artikeln der "Süddeutschen Zeitung" und der "FAZ" der enorme Druck beleuchtet, unter dem die energieintensive Industrie steht, während gleichzeitig der politische Wille zur Transformation häufig an praktisch-wirtschaftlichen Hürden und fehlender Unterstützung ins Leere läuft. Kurz: Die Kritik bündelt sich vor allem an der mangelnden Machbarkeit der Klimaziele unter den aktuellen sozioökonomischen Bedingungen. Zudem drängt die Branche auf eine tiefgreifende, möglichst rasche Korrektur der Vergabemethodik, um einen ruinösen Wettbewerbsnachteil und Carbon Leakage abzuwenden.