Panzerbrigade 45 'Litauen' wächst: Kampftruppen erhalten neue Struktur

Veitshöchheim – Bei einem Appell mit viel Symbolkraft wurden am 29. Januar zwei renommierte Kampftruppenbataillone in die Panzerbrigade 45 'Litauen' eingegliedert. Anlass genug, innezuhalten und nach vorne zu blicken, denn der endgültige Schritt zur vollen Einsatzbereitschaft steht kurz bevor.

heute 20:20 Uhr | 5 mal gelesen

In der Balthasar-Neumann-Kaserne im fränkischen Veitshöchheim herrschte jene Mischung aus militärischer Präzision und unterschwelliger Aufbruchstimmung, die für solche Zeremonien typisch ist. Hier reichten Brigadegeneral Stephan Behrenz aus Munster und Brigadegeneral Axel Hardt aus Cham symbolisch das Staffelholz an Brigadegeneral Christoph Huber weiter, den Kommandeur der Panzerbrigade 45 'Litauen'. Wenn man ehrlich ist, sind es genau diese Momente – Übergaben, Bekenntnisse, Schulterklopfen –, die die Soldatinnen und Soldaten zusammenschweißen. Generalmajor Jörg See (10. Panzerdivision) erinnerte das anwesende Personal aus zwei verschiedenen Divisionen beinahe feierlich an den Wertekanon der Bundeswehr: Verantwortung, Pflicht, Mut – nicht nur Schlagworte, sondern tatsächlich die Säulen für die heikle Aufgabe, für eine möglichst stabile NATO-Ostflanke zu sorgen. Bemerkenswert: Gastredner General a.D. Erhard Bühler hievte nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die künftige Leistungsfähigkeit der Einheiten aufs Podest. Beide Bataillone haben Praxiserfahrung, nicht zuletzt aus zurückliegenden Missionen und intensiven Manövern in Litauen – was sicherlich kein schlechtes Omen für die kommenden Stationierungen ist. Noch sind die Einheiten physisch in den alten Garnisonen in Deutschland verankert, aber ihre Kalender stehen längst im Zeichen Litauens: Manöver, Übungen, Zwischenstopp – irgendwie typisch für den Wandel hin zu einer echten Vorwärtspräsenz. 2027 – eine Jahreszahl, die immer wieder fällt – ist dann der große Schwenk nach Osten vorgesehen. Vorausgesetzt, die Infrastruktur jenseits der Ostsee wächst mit. Im Zuge der viel beschworenen 'Zeitenwende' entschied Bundesverteidigungsminister Pistorius bereits im Sommer 2023, dass ein dauerhaftes Engagement in Litauen nicht länger nur Lippenbekenntnis bleibt. Die offizielle Aufstellung der Panzerbrigade 45 in Vilnius war nur das erste Puzzlestück; der Aufbau der Kommando- und Übungsfähigkeit ist ein weiterer. Nun, mit fast 5.000 Soldatinnen, Soldaten und Zivilangestellten bis 2027, konkretisiert sich das Vorhaben. Die Welt bleibt nicht stehen – und Deutschland eben auch nicht.

Durch die Unterstellung von Panzerbataillon 203 und Panzergrenadierbataillon 122 gewinnt die Panzerbrigade 45 zunehmend operative Substanz. Das Konzept, die Ostflanke der NATO durch eine dauerhaft stationierte, voll ausgerüstete und geübte Brigade zu sichern, ist eine direkte Reaktion auf die sich wandelnde Sicherheitslage in Osteuropa, nicht zuletzt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und den daraus resultierenden Bedrohungsperzeptionen. Laut aktuellen Berichten (u.a. taz, Süddeutsche, Zeit) handelt es sich bei Deutschlands Engagement um ein Novum in der jüngeren Geschichte, da bisher keine deutschen Landtruppen dauerhaft so weit östlich stationiert waren; die politische Debatte darüber ist noch nicht verstummt: Neben Zustimmung werden auch Sorgen bezüglich möglicher Provokationen laut. Die infrastrukturelle Vorbereitung in Litauen ist aufwändig – auch diese Hürde wird regelmäßig thematisiert, von der Schaffung von Wohnraum bis zur Logistikkette. Internationale Partner begrüßen den Schritt und nehmen das deutsche Engagement als eine Verlässlichkeit im Bündnis wahr, aber der Aufbau wird eng beobachtet, etwa hinsichtlich Truppenmoral, materieller Ausrüstung und Vereinbarkeit mit dem Wehrdienst. (Quellrecherche siehe unten)

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