Rheinmetall zeigt Bereitschaft zu gemeinsamer Entwicklung mit Ukrainern

Nach kontroversen Äußerungen von Rheinmetall-Chef Papperger zur Leistungsfähigkeit der ukrainischen Drohnentechnik signalisiert Deutschlands Rüstungsgigant nun ein gesteigertes Interesse an Partnerschaften mit innovativen Waffenschmieden aus der Ukraine. Offenbar bewegt sich was in Richtung Zusammenarbeit.

heute 14:30 Uhr | 5 mal gelesen

Ukrainische Rüstungsunternehmen haben, wenn ich ehrlich bin, in erstaunlich kurzer Zeit bedeutende Fortschritte im Bereich der Raketen- und Lenkwaffentechnik gemacht. Rheinmetall befindet sich deshalb nicht erst seit gestern im Austausch mit mehreren Firmen aus der Ukraine – vielleicht auch, weil die Umstände, Hand aufs Herz, den Handlungsdruck erhöhen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass man grundsätzlich offen für Kooperationen sei, vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. Zur Erinnerung: Noch Ende März hatte Papperger die Drohnen-Projekte der Ukrainer im Gespräch mit "The Atlantic" eher abgeschmettert – er nannte die Geräte damals etwas abfällig "Lego-Drohnen". Die Retourkutsche kam prompt von Präsident Selenskyj. Doch die politische Großwetterlage hat sich gedreht: Nach dem Rückzug der USA beim Tomahawk-Stationierungsprojekt sucht man in Berlin und anderswo in Europa händeringend nach alternativen Lösungen für weitreichende Waffensysteme. Während der Eurosatory-Messe in Paris rückten die Ukrainer – etwa Fire Point mit ihrem "Flamingo"-Marschflugkörper – ins Rampenlicht. Insgesamt scheint bei europäischen und ukrainischen Herstellern Bewegung in die Szene zu kommen, was mögliche Kooperationen angeht. Serhiy Pashinskyi, Chef des ukrainischen Rüstungsverbandes Naudi, ist überzeugt: Umfassender Austausch nützt beiden Ländern. Verschiedene "Deep Strike"-Projekte laufen bereits an. Vladyslav Belbas, Chef von Ukrainian Armor, schätzt, dass die europäisch-ukrainische Waffeneigenentwicklung nächstes Jahr einsatzbereit ist. Es komme, so sagt er, am Ende auf politisches Engagement und die nötigen Mittel an – und daran scheint derzeit kein Mangel.

Rheinmetall positioniert sich nach teils harscher Kritik offensiv für Technologiepartnerschaften mit der dynamischen ukrainischen Rüstungsindustrie. Beide Seiten versprechen sich Vorteile: Die Ukraine bringt Kreativität und Fertigungsgeschwindigkeit ein, Deutschland Know-how, Ressourcen und Marktzugang. Im Fokus stehen dabei Marschflugkörper und Drohnen – nicht zuletzt, weil der Wegfall der US-Tomahawk-Raketen auf europäische Lösungen drängt. Aktuellen Medienberichten zufolge wollen mehrere europäische Staaten ihre Kooperation mit der ukrainischen Industrie ausbauen, um die Verteidigungsfähigkeit gegen Russland zu stärken. Auch Frankreich und Großbritannien loten derzeit Partnerschaften mit ukrainischen High-Tech-Firmen aus. Innerhalb der Rüstungsbranche zeigt sich ein regelrechter Innovationsschub; zunehmend entstehen Joint Ventures oder Technologietransfers. Das Ziel: Nachrüsten, um im Ernstfall auf eigene Lösungen zurückgreifen zu können – ein Ansatz, der im Angesicht geopolitischer Unsicherheiten neue Dringlichkeit erhält.

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