Man stelle sich vor, ein politisches Erdbeben erschüttert wortwörtlich den arktischen Boden: Norbert Röttgen, ein Mann, dessen Worte selten als bloßes Gebrabbel verhallen, weist auf eine beunruhigende Entwicklung hin. In der Rheinischen Post nimmt er kein Blatt vor den Mund: Angesichts des US-Vorgehens gegen Venezuelas Präsident Nicolas Maduro müsse Europa sich darauf einstellen, dass Präsident Trump seine – für viele absurde – Idee, Grönland von Dänemark loszueisen und zu kaufen, durchaus ernst meinen könnte. "Ohne Einfluss, ohne echte Machtoptionen", so Röttgen, bliebe dem Kontinent nur noch das oft zitierte, aber im Ernstfall recht wirkungslose Völkerrecht als Trostpflaster. "Wir sollten es uns zweimal überlegen, dessen Geltungsbereich zu relativieren – schon allein aus Eigennutz." Nicht, dass er ein Freund Maduros wäre, im Gegenteil: Dessen Präsidentschaft zählt Röttgen zu den illegalen und diktatorischen. Trotzdem betont er, die amerikanische Auffassung, der Kontinent sei exklusiv ihre Spielwiese (wie es Trumps Nationale Sicherheitsstrategie offenlegt), lasse Europäern schlicht keinen Platz am Spieltisch. Weder in Caracas noch auf Grönland. – Und das klingt plötzlich gar nicht mehr nach Science-Fiction.
Röttgen warnt eindringlich vor einer Wiederholung amerikanischer Alleingänge, wie sie derzeit in Venezuela zu beobachten sind, diesmal in Grönland. Der CDU-Politiker sieht Europa fast chancenlos, sollte Trump tatsächlich ernst machen mit seinem Vorstoß, Grönland den USA einzuverleiben – ein Szenario, das nicht nur politische, sondern auch geopolitische Erschütterungen mit sich bringen würde. Im europäischen Werkzeugkoffer verbleiben dann lediglich das Völkerrecht und Appelle, deren Durchschlagskraft gegen US-Interessen fraglich bleibt.
Aktuelle Analysen internationaler Medien zeigen, dass das geopolitische Interesse an der Arktis weiter wächst: Die USA, China und Russland investieren massiv in die Region – für Europa bedeutet das, dass diplomatische und wirtschaftliche Strategien neu gedacht werden müssen. Die Debatte um Souveränität, Umweltfragen und die Rolle Dänemarks – Grönlands Mutterland – wird deutlich intensiver geführt. Neue Entwicklungen, etwa chinesische Infrastrukturvorhaben auf Grönland und eine verstärkte NATO-Präsenz, illustrieren die Brisanz des Themas.