Manche entscheiden sich fürs Militär aus Pflichtgefühl, andere, um eine sinnvolle Aufgabe zu erfüllen. Egal was dahintersteckt: Soldatinnen und Soldaten bewegen sich täglich zwischen familiären Erwartungen, beruflichen Hürden und ganz banalen Lebensfragen. Da ist nicht immer gleich die Auslandmission das Problem, manchmal fehlt es einfach an Unterstützung bei Alltagsstress, Trennung von Partnern, oder der ganz normalen Zettelwirtschaft mit Steuern und Versicherungen. Wer nicht das Glück hat, auf verständnisvolle Ansprechpartner zu stoßen, fühlt sich schnell einsam – eine Erfahrung, die auch Saad Chahrrour zu Beginn seiner Zeit in der Bundeswehr gemacht hat.
Spannend dabei: Chahrrour, Sohn syrischer Eltern, war schon als Kind oft der „Andere“ im Raum – Integration war für ihn nicht so ein politisches Schlagwort, sondern schlichte Lebensrealität. Seine Mutter prägte ihn mit ihrem Engagement im Ehrenamt. Nach ihrem Tod entstand bei ihm der Wunsch, etwas zurückzugeben, konstruktiv, für Menschen in der gleichen Situation. In der Bad Reichenhaller Kaserne musste er sich als junger Rekrut nicht nur in das militärische System einfinden, sondern stand zugleich vor besonderen Hürden aufgrund seiner Religion und Herkunft.
Wie Integration zu Alltagskampf wird – und Veränderung anstößt
Im Kasernenton ist wenig Raum für sanfte Zwischentöne, Religionen oder Sonderwünsche. Laut verschiedenen Schätzungen gibt es ein paar Tausend Muslime bei der Bundeswehr – genaue Zahlen kennt niemand, weil die Religionsangabe freiwillig ist. Aber Saad erinnert sich noch genau: Als Muslim hatte er Probleme, einen ruhigen Ort für das Gebet zu finden. Viel schwerwiegender war jedoch die ablehnende Haltung bei Essenswünschen: Während Kameraden zu Mittag aßen, knabberte er stundenlang an trockenem Reis, weil schlicht niemand sein Anliegen ernst nahm. Der Frust? Greifbar. Aber Aufgeben war nie Option. Hartnäckig forderte er Veränderung ein, bis Alternativen geschaffen wurden.
Dass damit noch nicht das Ende der Herausforderungen erreicht war, liegt auf der Hand: Der Soldatenberuf schließt jeden – egal mit welcher Biografie – in ein Korsett alltäglicher und außergewöhnlicher Probleme ein. Saad hat mit Leistung und Offenheit respektiert seinen Platz erkämpft: Von der Rekordjagd bei den Gebirgsfernmeldern, verschiedenen Auslandseinsätzen bis zur Arbeit als Offizier und schließlich im zivilen Dienst der Verteidigung.
Soldatenhilfe e.V. – Solidarität statt Einzelkampf
Was ihn dabei bewegt hat? Er sah, dass er nicht alleine war mit seinen Fragen, sondern dass fast jeder Kamerad mal Unterstützung brauchte, aber oft niemanden zum Reden hatte. Gerade aus diesen Erfahrungen entstand dann praktisch mit Freunden und Weggefährten die Idee für den gemeinnützigen Verein Soldatenhilfe e.V.. Das Ziel? Ganz einfach: Soldaten bei allen Sorgen – vom Umzug bis zur Steuererklärung, vom Amtsstress bis zu ganz persönlichen Krisen – unkompliziert und anonym zu beraten und zu begleiten, mit einem Netzwerk aus ehemaligen Soldaten und Fachexperten, die oft selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Moderne Kommunikation (etwa eine diskrete Chatfunktion) schafft einen geschützten Raum, in dem sich niemand schämen oder verstellen muss. Die Beratung geht dabei weit über „klassische“ Hilfe hinaus und umfasst auch sensible Themen wie psychische Belastungen oder Diskriminierungserlebnisse.
Wer also als Soldat ein Problem hat, oder einfach mal ein Ohr braucht: Bei Chahrrour und seinem Team gibt’s keine dummen Fragen und keine leeren Versprechen – aber meistens einen Weg. Mehr Infos: soldatenhilfe.de.
Kontakt: Soldatenhilfe e.V., Friedrichstraße 171, 10117 Berlin, info@soldatenhilfe.de
Originalquelle: Soldatenhilfe e.V. via news aktuell
Saad Chahrrours Geschichte ist mehr als eine Story über eine gelungene Integration; sie steht für gelebte Solidarität und das ständige Ringen um Zugehörigkeit. In seinem Werdegang spiegeln sich nicht nur die Hürden, sondern auch das Potenzial der Bundeswehr wider, zunehmend diverser und offener für unterschiedliche Lebensrealitäten zu werden. Er verkörpert die Botschaft, dass die Wehrgemeinschaft von der Vielfalt der Erfahrungen – und vom Mut, für sich und andere einzustehen – nur profitieren kann. Aktuelle Entwicklungen zeigen zudem, dass psychische Belastungen, Bürokratie und Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Dienst bei Soldaten verstärkt ins Bewusstsein rücken. Neue Bundeswehr-Programme sollen die mentale Gesundheit stärken (etwa spezielle Beratungsangebote und gezielte Entstigmatisierung), und Vereine wie Soldatenhilfe e.V. schließen die Lücke zu praxisnaher, niederschwelliger Hilfe. Gerade nach den Diskussionen in den letzten Wochen über die Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft und die Herausforderungen im Truppenalltag wächst das öffentliche Interesse an solchen Geschichten.