Online-Plattformen wie bonus.ch bieten nicht nur Zahlen und Tabellen, sondern spiegeln auch die Stimmung unter den Schweizer Versicherten wider. Jedes Jahr werden die Autobesitzer erneut gefragt: Fühlst du dich fair behandelt oder geht die Preisspirale munter weiter? Die Ergebnisse sind dieses Jahr (2026) alles andere als beruhigend.
Fast 70 Prozent der Befragten mussten eine Erhöhung ihrer Prämien verkraften. Inflation, teure Ersatzteile und raueres Wetter können dafür herhalten – diese Erklärungen nehmen viele hin, aber verstehen längst nicht alle. Besonders heftig hat die Entwicklung die Fahrer in der italienischsprachigen Schweiz getroffen: Dort melden satte 78 Prozent eine gestiegene Versicherungsprämie.
Junge Erwachsene, genauer die 30- bis 39-Jährigen, litten am meisten unter teureren Policen – fast vier Fünftel dieser Altersgruppe sprechen davon. Überraschend, wie groß die Unterschiede zwischen den Anbietern sind: Während bei Zurich fast neun von zehn Kunden mehr zahlen, kommt Die Mobiliar offenkundig mit moderateren Erhöhungen davon (48%).
Trotzdem bleibt der ganz große Aufstand aus. Kaum jemand nutzt das Recht, den Vertrag zu kündigen – nicht einmal jeder achte Autofahrer hat in den vergangenen zwölf Monaten gewechselt. Die Gründe liegen auf der Hand: Gute Servicequalität, Scheu vor administrativem Aufwand oder schlicht Bequemlichkeit. Der Preis rückt aber zusehends ins Zentrum der Entscheidungsfindung: Mehr als die Hälfte der Wechsler geben die Beitragshöhe als Hauptmotiv an.
Wie nachvollziehbar sind die Begründungen der Versicherer? Da gehen die Meinungen auseinander: Gut 40 Prozent verstehen sie kaum oder gar nicht, besonders skeptisch äußern sich die Westschweizer. Trotzdem sind 62 Prozent der Meinung, sie zahlen einen angemessenen Beitrag, wobei die Skepsis unter Jüngeren deutlich höher ist als unter Älteren.
Interessant auch: Die meisten Versicherungsnehmer wünschen sich Beitragskriterien, die ihr persönliches Verhalten und die eigene Schadenshistorie belohnen. Wohnort oder Automodell erscheinen im Vergleich weniger relevant. Und die Zufriedenheit mit den Versicherern ist – trotz aller Preisdiskussion – insgesamt hoch: Im Schnitt vergeben die Schweizer eine Note von „gut“. Die Mobiliar genießt den besten Ruf, während die Unterschiede zwischen den Regionen und Altersgruppen moderat, aber vorhanden sind.
Die jährliche Erhebung von bonus.ch zeigt: Prämienerhöhungen bei der Schweizer Autoversicherung betreffen eine Mehrheit der Fahrzeughalter, insbesondere in der italienischen Schweiz und bei gewissen Altersgruppen. Während Inflation, steigende Schadenhäufigkeit und teure Ersatzteile als zentrale Ursachenerklärungen gelten, fühlen sich viele Versicherte von ihren Versicherern nicht wirklich verstanden. Die Wechselbereitschaft bleibt dennoch niedrig, vor allem weil Servicequalität und Gewohnheit stärker wirken als der Wunsch nach Einsparungen. In den letzten Tagen wurden mehrere Berichte in Schweizer Medien veröffentlicht, die diese Tendenzen bestätigen: Laut tagesaktuellen Artikeln geraten besonders die Versicherer wegen des harten Wettbewerbs unter Druck, und Verbraucher sind aufgerufen, stärker zu vergleichen und ihre Rechte auf außerordentliche Kündigung zu nutzen. Die Dynamik auf dem Schweizer Versicherungsmarkt setzt sich also weiter fort. Neu ist, dass einige Anbieter verstärkt telematikbasierte Policen testen, bei denen das tatsächliche Fahrverhalten die Prämie stärker beeinflusst, was dem Wunsch vieler Versicherter entgegenkommt.