Mal ehrlich: Die Wendungen in der deutschen Wirtschaft gleichen manchmal dem Auf und Ab einer Achterbahn. Laut einer aktuellen Erhebung, die das 'Handelsblatt' am Montag veröffentlichte, gehen die Krankmeldungen in den deutschen Spitzenunternehmen zurück – zumindest ein wenig. Rund die Hälfte der Dax-40-Unternehmen sowie der zwanzig größten Familienbetriebe hat geantwortet, und wiederum davon meldet die Hälfte, dass weniger Beschäftigte krankgemeldet waren als zuvor. Die andere Hälfte sieht keinen spürbaren Wandel. Letztes Jahr hingegen vermeldeten noch etwa 50% der befragten Dax-Unternehmen einen Anstieg beim Krankenstand.
Was steckt dahinter? Manche Experten – zum Beispiel Volker Nürnberg, der bei Bearingpoint für Gesundheit zuständig ist – sagen, das Ganze sei nichts Neues. Seit Ewigkeiten lässt sich beobachten, dass Wirtschaftsflauten auf merkwürdige Weise die Zahl der Krankmeldungen drücken. Die Erklärung klingt fast schon banal: Wer Angst um den eigenen Job hat, meldet sich weniger oft krank. Ob das gut ist, kann man durchaus hinterfragen. Ist es wünschenswert, wenn Arbeitnehmer in trüben Wirtschaftszeiten ihre physischen und seelischen Grenzen häufiger ignorieren? Da bleiben einige Fragen offen, finde ich.
Die Krankenstände in Großunternehmen der deutschen Wirtschaft sind im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen oder gleich geblieben. Experten verbinden diesen Trend mit der konjunkturellen Lage: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt oft die Angst vor Jobverlust, was dazu führt, dass Mitarbeitende selbst bei Krankheit tendenziell zur Arbeit gehen. Dieser Zusammenhang ist gut dokumentiert; zuletzt hatten 2023 noch viele Unternehmen einen Anstieg der Krankmeldungen verzeichnet. Ergänzend zeigen verschiedene Medienberichte der vergangenen 48 Stunden, dass nicht nur wirtschaftliche Unsicherheit, sondern auch die aktuelle Influenza-Welle oder der Umgang mit Long Covid Themen bleiben, die teils regional unterschiedlich die Krankenquote beeinflussen. Es zeichnet sich ab, dass Unternehmen stärker auf Prävention und psychosoziale Unterstützung setzen müssen, um langfristig gesunde Arbeitsbedingungen zu fördern.