Um ehrlich zu sein – viele aus der SPD in Baden-Württemberg wirken inzwischen abgekämpft. "Wir sind erleichtert, wenn dieses Spektakel am Sonntag hinter uns liegt", so bringt es Juso-Landeschef Daniel Krusic auf den Punkt. Einerseits: Die Gespräche am Wahlkampfstand laufen gar nicht mal schlecht, viele Passanten hören tatsächlich zu – doch der eigentliche Frust steckt tiefer. Die gefühlte Unsichtbarkeit zwischen Grünen und CDU, das ständige Gefühl, nicht dazwischen zu passen, zehrt an den Kräften. Die Konsequenz? Prognosen von bis zu neun Prozent – historisch schwach. Schon 2016 waren die Ergebnisse mager, aber jetzt droht das nächste Debakel.
Spitzenkandidat Andreas Stoch fühlt sich vom medialen Dauerfeuer gegen Grüne und CDU ausgebremst: "Oft sagen mir Leute, sie wählen Özdemir, damit Hagel kein Land sieht. Inhaltlich ist da kaum noch Platz für uns." Aus Berlin klingt es ähnlich. Derya Türk-Nachbaur – Bundestagsabgeordnete und Führung der Landesgruppe – glaubt, das SPD-Programm werde konsequent überhört: „Das Interesse an unseren Inhalten ist praktisch nicht da. Alles dreht sich nur um Özdemir versus Hagel.“ Wie auch? Bei Zahlen, die nicht gerade Grund zur Freude sind.
Wirklich eine Zahl als Ziel ausgeben, das will dann fast niemand mehr. Stoch bleibt kämpferisch: "Wir zielen auf alles über zehn Prozent und geben uns nicht vorher geschlagen." Es bleibt das Gefühl: Für die SPD in Baden-Württemberg steht zu viel auf dem Spiel – und der Wahlkampf wirkt wie ein nahezu aussichtsloses Stehaufmännchen-Spiel.
Die SPD in Baden-Württemberg schlägt sich mit einer Wahlkampfmüdigkeit herum, die weit über übliche Erschöpfung hinausgeht. Zwischen der medienwirksamen Zuspitzung auf Grüne und CDU bleibt kaum Platz für eigene Inhalte. Aktuelle Umfragen sehen die Partei auf einem historischen Tiefstand, wodurch die Stimmung im Parteilager einer Mischung aus Frustration und verzweifelter Hoffnung gleicht.
Neueste Recherchen und Artikel aus verschiedenen deutschen Medien bestätigen die kritische Lage der SPD in Baden-Württemberg. Die Partei sieht sich zudem durch aktuelle bundespolitische Streitfragen, zum Beispiel um Migration und die soziale Sicherung, zusätzlich belastet – ein Thema, das bei vielen Wählern eher Unsicherheit als Zustimmung erzeugt. Zudem wird in den Medien thematisiert, dass die SPD mangels profilierter Regionalthemen kaum überregionale Aufmerksamkeit erzeugen kann. Das Medienklima, das den Wettstreit Özdemir gegen Hagel künstlich zuspitzt, ist ohnehin schwer zu durchbrechen.
Persönlich gefragt: Es ist auffällig, dass die SPD in Baden-Württemberg fast zwischen den Stühlen sitzt – einerseits will sie nicht parteiintern resignieren, andererseits fehlen die wirklichen Impulse nach außen. Ob ein partei-interner Neuanfang irgendwann helfen kann? Oder ist das traditionell konservative Milieu im Südwesten einfach übermächtig? Einfache Antworten gibt es nicht, vielleicht aber doch einen Hoffnungsschimmer auf Erneuerung – irgendwann.