Thomas Preis, Präsident der ABDA, bringt es auf den Punkt: Die Herausforderungen im Gesundheitswesen wachsen – Demografie, Lieferengpässe, die klammen Kassen. Trotzdem dürfen wir einen simplen Gedanken nicht vergessen: Apotheken stabilisieren unser ganzes System, weil sie quasi überall aufschlagen, erreichbar sind und Menschen eben auch nachts oder im Notfall nicht allein lassen. Ganz davon abgesehen, wie hoch die Beratungsqualität eigentlich oft ist (was man als Patient echt unterschätzt …).
Mit dem aktuellen Positionspapier will die ABDA eine breite politische und gesellschaftliche Debatte lostreten, ohne die akuten Probleme aus dem Blick zu verlieren. Mit dem Apothekenreformgesetz werden Apotheken bald neue Dienstleistungen schultern – das klingt alles schön und gut, aber ohne echte finanzielle Basis bringt das niemandem was: "Das Apothekensterben muss aufhören!", fordert Preis und spricht die stagnierenden Honorare an – seit Jahren angekündigt, bislang ausgeblieben. Wie sollen Apotheken mehr leisten, wenn sie sich nicht mal sicher sein können, zu überleben?
Zahlen gefällig? Laut aktuellem Jahrbuch "Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2026" stemmten Apotheken in 2025 fast eine Million pharmazeutische Zusatzdienste, darunter über 300.000 Medikationsberatungen. Ein Viertel aller Apotheken half ehemaligen Drogenabhängigen mit Substitutionstherapien, und fast 220.000 Grippeimpfungen wurden jüngst durchgeführt – doppelt so viele wie zuvor.
Seit 1998 rückt die ABDA am 7. Juni jeweils das breite, oft unterschätzte Spektrum der Apothekenarbeit ins Licht der Öffentlichkeit. Und wer neugierig ist, kann sich weiter auf www.abda.de, www.pharmazeutische-dienstleistungen.de und www.gesundheitsichern.de einlesen.
Apotheken in Deutschland stehen an einem Scheideweg: Sie übernehmen schon jetzt eine Vielzahl höherwertiger Aufgaben, von Medikationsanalysen über Impfungen bis zur Beratung besonders vulnerabler Patientengruppen. Das aktuelle Positionspapier der ABDA fordert mehr Verantwortung und Kompetenzen für Apotheken, damit sie die Primärversorgung aktiv und dauerhaft absichern können – in enger Kooperation mit anderen Akteuren des Gesundheitssystems. Die Apotheken warnen aber deutlich: Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist kritisch, Schließungen nehmen zu, und dringende Reformen wie eine Honorarerhöhung bleiben aus – das gefährdet die wohnortnahe Versorgung, gerade auf dem Land. Aus jüngsten Quellen geht außerdem hervor, dass im Zuge der neuen Gesetzeslage viele Apotheken sich nicht nur mit wachsenden bürokratischen Anforderungen konfrontiert sehen, sondern auch einen Innovationsdruck im Umgang mit digitalen Anwendungen verspüren. Parallel mehren sich politische Forderungen nach einer Stärkung interdisziplinärer Gesundheitszentren, wo Apotheken eine festere Rolle spielen könnten – als Lotsen und Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten. Die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas wird mittelfristig noch wachsen, nicht zuletzt wegen der alternden Bevölkerung und zunehmender Versorgungsengpässe in ländlichen Gebieten.