Tech-Gründer zeigen Rückenwind für SPD-Plan zur Erbschaftsteuer

Mehrere prominente Unternehmer aus der deutschen Tech-Branche äußern sich wohlwollend zu einer Neuausrichtung der Erbschaftsteuer.

heute 11:47 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist schon bemerkenswert: Während man oft vermutet, dass Unternehmer eher auf Steuervorteile pochen, äußern sich jetzt deutsche Tech-Größen wohlwollend gegenüber einer gerechteren Gestaltung der Erbschaftsteuer. Sebastian Klein, der mit Blinkist reich geworden ist, hält die aktuelle Regelung fast schon für ein Relikt aus einer anderen Zeit. Für ihn ist klar: Wer durch eigene harte Arbeit und Risiko Wohlstand schafft, verdient Anerkennung. Aber: Reichtümer über Generationen hinweg nahezu steuerfrei weiterzureichen – das passt für ihn nicht zu einem echten Leistungsprinzip. "Wer erbt, hat nichts geleistet und sollte das fair versteuern", sagt Klein offen. Ähnlich sieht es Albrecht von Sonntag, der von Idealo kommt – einer von denen, die Erfolg nicht dem Zufall überlassen haben. Steuern sind für ihn vielmehr ein Teil des sozialen Fundaments. Gerade im Erbrecht brauche es stärkere Schultern, die auch spürbar mehr tragen. "Es kann nicht angehen, dass Erbschaften größer als so manches Jahresbudget einer Kleinstadt mühelos fast steuerfrei fließen" – so die fast schon empörte Quintessenz. Praktisch findet von Sonntag auch die Idee, höhere Erbschaftsteuern notfalls später abstottern zu können – aber nicht ohne Zinsen. So werde verhindert, dass ein großzügiges Zahlungsziel durch Inflation zum Nullsummenspiel verkommt. Und: Bildung sollte profitieren, meint er. "Das ist kein linker Spleen, sondern wirtschaftlich sinnvoll." Auch Rolf Schrömgens, bekannt durch Trivago, will ein System, das endlich klare Kante zeigt – fair, aber bestimmt. Schlupflöcher? Sind ihm ein Dorn im Auge, weil sie große Vermögen begünstigen und damit das Gefühl von Gerechtigkeit untergraben. Steuerstundungen, ja, aber gezielt, damit Unternehmen Planungssicherheit haben – und niemand sich rausmogeln kann. Schrömgens betont: "Momentan kann sich ein Unternehmer fast aussuchen, ob er überhaupt zahlt. Das ist doch seltsam, oder?" Ein besseres System – kein Wunschtraum, sondern laut ihm mehr als nötig.

Immer mehr Stimmen aus der deutschen Tech-Szene plädieren für eine konsequentere Reform der Erbschaftsteuer und loben den Ansatz der SPD. Die Unternehmer fordern insbesondere, Mega-Vermögen stärker und gerechter zu besteuern, familiäre Unternehmen aber zugleich mit Stundungsmöglichkeiten flexibler zu behandeln – wenn diese fair verzinst sind. Sie kritisieren, dass das bisherige System Leistungsfähigkeit oft ignoriert und der gesamtwirtschaftlichen Gerechtigkeit entgegenwirkt; viele europäische Nachbarn haben bereits ähnliche Reformen angestoßen. Recherchen in den letzten 48 Stunden zeigen, dass die Diskussion um höhere Besteuerung großer Erbschaften auch in anderen Branchen und politischen Lagern neu entflammt ist: In mehreren Leitartikeln wird auf die steigende Vermögensungleichheit in Deutschland hingewiesen und darauf, dass Steuervermeidungsstrategien besonders bei sehr reichen Erben zu massiven Einbußen beim Gemeinwohl führen (z.B. Quelle: Zeit Online). Einige Stimmen warnen jedoch, dass zu hohe Steuersätze die Verlagerung von Vermögen ins Ausland begünstigen könnten (Quelle: FAZ). Trotz Bedenken gibt es europaweit einen Trend zu strengeren Regeln für Erbschaften – mit dem Ziel, mehr Geld für öffentliche Investitionen, vor allem Bildung und Infrastruktur, zu generieren (Quelle: Spiegel Online).

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