Zu oft führen neue Gesetze zu Schreibtischakten, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben – das scheint Antje Gerstein, die Nachhaltigkeitschefin des HDE, auch in Sachen Textilgesetz zu befürchten. Sie betont, dass praktikable, schlanke Regelungen nötig sind, damit die Wirtschaft am Ball bleibt. "Finanzielle Pflichten sollten stets angemessen und gesetzeskonform sein", meint sie und fügt hinzu, dass betroffene Unternehmen keine zusätzlichen Hürden brauchen, abseits dessen, was das Gesetz verlangt. Der HDE tauscht sich dazu regelmäßig sowohl mit Textilverbänden als auch der Abfallwirtschaft aus, um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. "Mit dem Ministerium stehen wir ebenfalls in stetigem Kontakt", so Gerstein. Das Grundgefühl: Verantwortung ja – aber ohne Überforderung! Die geplante erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien wird im Kreis der Mitglieder grundsätzlich als Chance gesehen, um Recycling und Wiederverwendung von Textilien zu stärken. Das geplante Gesetz, angekündigt von Umweltminister Carsten Schneider, will Hersteller künftig an den Kosten der Entsorgung beteiligen und bringt eine EU-Initiative von 2023 in die Umsetzung.
Der Handelsverband Deutschland unterstreicht die Notwendigkeit, beim neuen Textilgesetz praxisnahe und unbürokratische Lösungen zu schaffen. Die Branchenvertreter stehen bereits mit relevanten Verbänden sowie dem zuständigen Ministerium im Austausch, um ein tragfähiges Modell zur erweiterten Herstellerverantwortung auf die Beine zu stellen. Ziel ist es, die finanziellen und bürokratischen Lasten für Textilunternehmen im Rahmen zu halten, während gleichzeitig mehr Recycling und Wiederverwertung erreicht werden sollen. Laut aktuellen Medienberichten herrscht innerhalb der Branche durchaus Optimismus, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können; allerdings sei Skepsis angebracht, ob die Politik mit Augenmaß agieren wird. Inzwischen haben sich auch Akteure aus der Mode- und Entsorgungsbranche geäußert und weisen darauf hin, dass ein europäisches Flickwerk zu vermeiden und einheitliche Standards zu schaffen sind. Die Gesetzesinitiative könnte ein Wendepunkt werden – zumindest sofern Behörden und Wirtschaft an einem Strang ziehen.