Irgendwie hat es was Tröstliches: Während andernorts seit Jahren über Fachkräftemangel, Bildungsmisere und das Imageproblem des Handwerks diskutiert wird, verzeichnet das hessische Tischlerhandwerk einen echten Qualitätsschub. Bereits 2025 werden 34,8 Prozent der Tischler-Azubis entweder ihr (Fach-)Abitur oder sogar die Hochschulreife mitbringen. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch deutlich niedriger – keine zwanzig Prozent, um genau zu sein. Auch die Realschüler sind mit über 41 Prozent stark vertreten. Kurz mal überschlagen: Drei Viertel der künftigen Gesellinnen und Gesellen starten also mit einem mittleren oder höheren Abschluss in den Beruf.
Die Frauenquote legt ebenfalls zu – 18,2 Prozent der Neuauszubildenden bei den Holzberufen sind inzwischen weiblich. Ein kleiner, aber beachtlicher Sprung: 2015 waren es nur rund zehn Prozent. Die Zahl der Tischler-Azubis beträgt insgesamt 1.182; das hält diesen Beruf unter den Top Ten im hessischen Handwerk. Nur: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge – 485 an der Zahl – ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Minus 2,6 Prozent. Ein kleiner Wermutstropfen.
Andrea Belegante, die Chefin des Fachverbands Leben Raum Gestaltung, hält die Digitalisierung der Gesellenprüfung für einen entscheidenden Schritt: "Die Ausbildung wird fordernder und abwechslungsreicher. Mit der digitalen Gesellenprüfung begegnen wir diesen Ansprüchen – strukturierter, praxisnäher und einfach moderner." Offenbar setzen die Verantwortlichen auf eine Mischung aus handwerklicher Tradition und digitaler Innovation. Übrigens: Wer mehr wissen will, kann sich immer an Gero Jentzsch, Fachverband Leben Raum Gestaltung in Bad Wildungen, wenden.
Im hessischen Tischlerhandwerk steigt der Bildungsstand der Auszubildenden weiter an, was sich in der wachsenden Zahl an Abiturienten und Realschulabsolventen widerspiegelt. Gleichzeitig wächst auch der Frauenanteil, einige Hürden bleiben aber: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge geht leicht zurück – eine Entwicklung, die auch aus anderen Handwerksbereichen gemeldet wird. Laut Recherchen ist dieser Trend bundesweit zu beobachten: Die handwerkliche Ausbildung wird zwar akademischer und diverser, aber viele Betriebe beklagen gleichzeitig weniger Bewerbungen und fehlende Praxisorientierung trotz hoher Abschlüsse. Auch werden Digitalisierung und neue Prüfungsformate branchenübergreifend als Chance gesehen, insbesondere, um Jugendliche besser auf moderne Arbeitswirklichkeit vorzubereiten. In aktuellen Debatten auf taz.de und faz.net wird zudem hinterfragt, ob die Handwerksausbildung mit der gestiegenen Attraktivität von Hochschulstudiengängen Schritt halten kann. Insgesamt jedoch zeigt sich: Die Handwerksausbildung – zumindest in Hessen – ist anspruchsvoller geworden und steht an einer spannenden Schwelle zwischen Tradition und Wandel.