ttt am Sonntag: Europas Rolle, Lindgrens andere Seite und vergängliche Schneekunst

Manchmal reichen 60 Minuten nicht, um all das zu ordnen, was gerade aus den Fugen gerät: Europas Zukunft in der Welt, die dunklen Seiten von Kinderbuchheldinnen und Kunst, die verschwindet, bevor das Handyfoto gemacht ist – das sind nur einige der Themen bei "ttt - titel thesen temperamente" dieses Sonntagabend.

09.01.26 14:21 Uhr | 8 mal gelesen

Die Dinge geraten ins Wanken, das ist in diesen Tagen deutlich spürbar – auch politisch. In "ttt" sprechen Expertinnen wie Cathryn Clüver Ashbrook und Herfried Münkler über das, was nach der alten Weltordnung kommt, wenn aus Freunden neue Rivalen werden und scheinbar alles auf der Kippe steht. Fotograf Wolfgang Tillmans diskutiert dazu, was Europa nun dringend tun muss. Ein anderer Blick zurück: Astrid Lindgren, weltberühmt als Mutter von Pippi Langstrumpf, hat im Zweiten Weltkrieg ihre Sorgen, Ängste und auch ihre Wut in Tagebüchern festgehalten. “Es ist traurig genug, dass niemand damals Adolf Hitler erschossen hat”, notiert sie – eine ungewohnt scharfe Stimme. Ein neuer Dokumentarfilm von Wilfried Hauke bringt bislang unbekannte Facetten Lindgrens ans Licht; intime Familienblicke inklusive. Simon Beck wiederum macht Kunst unter Eiseskälte – und gegen die Zeit: Seine Schneebilder, riesig und nur aus Spuren im Schnee, halten nicht lange. Pistenraupen, Skifahrer oder einfach das Tauwetter löschen seine Arbeit im Nu. Fotos bleiben, der Rest schmilzt dahin. Und dann ist da noch ein Film, der im Kino mehr als nur den Atem stocken lässt: "Die Stimme von Hind Rajab" erzählt von der Ausweglosigkeit in Gaza anhand der erschütternden Geschichte eines sechsjährigen Mädchens. Die Mischung aus dokumentarischen Mitschnitten und dramatischer Inszenierung geht unter die Haut. Moderiert wird der Abend von Siham El-Maimouni, das Ganze gibt's schon ab 20 Uhr in der ARD Mediathek.

Die neue Ausgabe von "ttt - titel thesen temperamente" setzt sich kritisch mit der aktuellen Weltlage auseinander: Europas Stellung ist im Wandel, alte Gewissheiten verblassen. Mit Gesprächen und Analysen werfen Expertinnen und Experten Schlaglichter auf die politischen Umbrüche und die wachsende Unsicherheit im Verhältnis zu den USA – ein Thema, das laut aktuellen Berichten etwa in der Süddeutschen Zeitung und beim Spiegel auch wegen der bevorstehenden US-Wahlen mit Blick auf transatlantische Allianzen wieder diskutiert wird. Die Episode zeigt zudem, wie Geschichte Südens und Nordens miteinander verknüpft ist – etwa am Beispiel Astrid Lindgrens, deren Kriegstagebücher erstmals im Film aufgegriffen werden, und deren Sicht auf Humanität aktueller denn je ist (laut FAZ und Die Zeit, die beide in jüngsten Artikeln die Relevanz historischer Stimmen im Licht aktueller Kriege betonen). Die aufwendig inszenierte Schneekunst von Simon Beck und der tief bewegende Gaza-Film thematisieren beide auf ihre Weise, wie zerbrechlich Schönheit und Menschlichkeit sein können – ein Motiv, das auch in anderen zeitgenössischen Kulturberichten, besonders auf taz.de und perspektive-daily.de, aufgegriffen wird.

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