US-Behörden setzen russischen Öltanker im Nordatlantik fest

Mitten im Nordatlantik haben die USA einen russischen Öltanker mit mutmaßlichen Venezuela-Verbindungen beschlagnahmt – die Details der Aktion wirken wie aus einem Agentenroman.

07.01.26 14:46 Uhr | 9 mal gelesen

Es klingt fast wie eine Szene aus einem modernen Piratenfilm: Amerikanische Behörden machen Jagd auf einen russischen Öltanker, der zuletzt unter dem Namen Marinera - früher Bella 1 - unterwegs war. Der Tanker wurde bereits 2024 mit US-Sanktionen belegt, weil er nach Ansicht der US-Regierung Teil einer sogenannten 'Schattenflotte' sein soll, die illegal russisches Erdöl transportiert und damit Sanktionen umgeht. Nach einer fast schon absurden Verfolgungsjagd auf hoher See war das Schiff aufgeflogen – einen Monat zuvor war ein erster Zugriff vor Venezuela gescheitert, weil das Schiff gedreht und das Weite gesucht hatte. Jetzt wurde offenbar nach wochenlangem Katz-und-Maus-Spiel zugegriffen: Der Zugriff erfolgte unter Leitung des US-Heimatschutzministeriums mit Rückendeckung des US-Militärs. US-Polizeibeamte durchsuchten das Schiff, angeblich ohne dass es dabei zu Schüssen gekommen sein soll – immerhin ein Detail, das für einen echten Agententhriller fast schon zu nüchtern klingt.

Der US-Zugriff auf einen russischen Öltanker im Nordatlantik reiht sich ein in eine Reihe von US-Initiativen zur Durchsetzung von Ölsanktionen gegen Russland und dessen Verbündete. Im Fokus steht dabei die Umgehung der Sanktionen durch eine Schattenflotte, die oftmals mit komplexen Irreführungsmanövern – inklusive Umbenennungen und Kursänderungen – agiert. Internationale Beobachter sehen diese spektakulären Eingriffe als Zeichen der zunehmenden Eskalation im geopolitischen Kampf um Energiesicherheit und Ölexporte, wobei neben Russland und den USA auch Staaten wie Venezuela, Iran oder China involviert sind. Laut FAZ und Zeit bleibt offen, wie sich solche Aktionen auf den internationalen Seeverkehr und die Stabilität der Energiemärkte auswirken. Auch rechtlich ist die Enteignung fremder Tanker auf offener See höchst umstritten – Völkerrechtsexperten verweisen auf die prekäre Balance zwischen Sanktionen, Handelsfreiheit und internationalem Recht.

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